Gesundheit : "Allgemeiner Fakultätentag": Professoren gegen Hochschulrektoren

Hermann Horstkotte

"Es geht um die Zukunftsfähigkeit unserer Universitäten, die wir nicht mit politischen Phrasen und professionalisierten Funktionärskasten sichern können." Das erklärt der Präsident des gestern in Jena gegründeten "Allgemeinen Fakultätentages", der Philologe Reinhold Grimm. Die sechzehn deutschen Fakultätentage, die sich als berufene Vertreter der einzelnen Fächer an den wissenschaftlichen Hochschulen verstehen, wollen mit ihrer Dachorganisation ein Gegengewicht zur Hochschulrektorenkonferenz (HRK) schaffen, die sich unter ihrem Präsidenten Klaus Landfried mehr denn je als politischer Akteur und Anwalt eines modernen, unternehmensähnlichen Hochschulmanagements profiliert hat. Fakultätentags-Chef Grimm: "Es geht uns nicht darum, die Hochschulrektorenkonferenz zu ersetzen, aber die Zeit ist mehr als reif für eine Bewegung von unten. Wir sind die einzigen, die die operativen Belange der Wissenschaft vertreten können."

Mit ihren ersten Themenschwerpunkten liegt das neue Professorenbündnis bewusst im Konflikt mit der HRK. Es hat, so Grimm, starke Vorbehalte gegen den neuen Kurzstudiengang zum Bachelor. HRK-Präsident Landfried verweist dagegen auf den nationalen "Akkreditierungsrat", der die Qualität des neuen Ausbildungsangebots an Unis wie Fachhochschulen sichern soll.

Die Professorenfronde befürchtet ferner Gehaltskürzungen in einer von Bundesbildungsministerin Edelgard Bulmahn beabsichtigten und von der HRK unterstützten Besoldungsreform. Kritiker Grimm sieht vor allem "Geistes- und Sozialwissenschaftler zu den Hungerleidern eines profitorientierten Bildungswesens" werden. Dagegen Landfried: Er selber habe alle Besoldungsvorschläge mit dem Vorbehalt versehen, dass geplante Leistungszulagen nicht über eine Absenkung der bisherigen Gehälter finanziert werden. Gleichwohl erkennt der HRK-Chef, dass die zuständigen Länderfinanzminister starr auf "Kostenneutralität" beharren und damit jede wirksame Reform in Frage stellen.

Hauptstreitpunkt zwischen dem Allgemeinem Fakultätentag und der HRK ist die Frage nach den Aufgaben der Spitzengremien in den Hochschulen. Die HRK möchte nicht nur, dass das Rektorat oder Präsidium mittel- und langfristige Konzepte für die Hochschule entwickelt; es soll auch den Fachbereichen die Haushaltsmittel zuweisen, über die Berufung von Professoren abschließend entscheiden und auch bei der Berufung des Dekans der einzelnen Fachbereiche mitreden. Solche Vollmachten missfallen den Fakultätentagen. Nach dem Vorsitzenden Grimm sollen Rektorate oder Präsidien keine Leitungsorgane sein, sondern Serviceeinrichtungen im Dienste der einzelnen Fakultäten.

In der aktuellen hochschulpolitischen Konfrontation geht es um Grundsätzliches: um den Willen der Fakultäten als den Trägern von Ausbildung und Forschung, das entscheidende Wort in der Entwicklung der Wissenschaften zu behalten und es nicht hauptamtlichen "Hochschulmanagern" zu überlassen.

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