Gesundheit : Als Europas Heizung plötzlich ausfiel Kalte Dusche: Vor 8200 Jahren versiegte der Golfstrom

Thomas de Padova

Dass es bei uns nicht so kalt ist wie in Sibirien oder in Südalaska, haben wir unter anderem dem Golfstrom zu verdanken. Er bringt warmes tropisches Wasser und ein mildes Klima nach Europa. Doch diese Wärmepumpe kann ins Stocken geraten. Das geschah zuletzt wohl vor 8200 Jahren, als die Temperatur auf der Nordhalbkugel plötzlich um fünf Grad Celsius sank. Die Ereignisse von damals werfen ein Licht darauf, mit welchen abrupten Temperatursprüngen wir rechnen müssen, wenn der Klimawandel weiter fortschreitet.

Die Ursachen für die drastische Abkühlung vor 8200 Jahren haben Wissenschaftler in Nordamerika in der Nähe der heutigen Hudson-Bay gefunden. Dort bildete sich zu Ende der Eiszeit ein riesiger Schmelzwassersee. Er war etwa doppelt so groß wie der heutzutage größte See, das Kaspische Meer.

Eine viele 100 Kilometer lange Eisbarriere verhinderte zunächst, dass sich das Wasser des Gletscher-Sees in den Nordatlantik ergoss. Doch als der Eisdamm dünner und dünner wurde, bahnte sich das Wasser einen Weg unter dem Eis hindurch. Und plötzlich gab es kein Halten mehr: 160000 Kubikkilometer Wasser – dreimal so viel wie in der Nordsee steckt – entleerten sich innerhalb von nur ein bis zwei Jahren sintflutartig in die Labrador-See im Nordatlantik, berichtet Garry Clarke von der kanadischen Universität von British Columbia in der Online-Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science.

In diesen Nachwehen der Eiszeit änderte sich das Klima auf der Nordhalbkugel schlagartig. Das gesamte Strömungssystem des Nordatlantiks geriet nun durcheinander. Das viele Frischwasser verringerte nämlich den Salzgehalt des Ozeans. Gerade das salzige, dichte Wasser treibt aber den Golfsttrom an. Es sinkt in der Labrador-See in die Tiefe und strömt als kaltes Tiefenwasser nach Süden. In diesem Sog strömt an der Oberfläche wärmeres Wasser von Süden her nach. Dieses warme Oberflächenwasser beschert uns in Europa ein so angenehmes Klima.

Die Wärmepumpe sei durch das viele salzarme Frischwasser vor 8200 Jahren zwar nicht ganz zum Erliegen gekommen, sagt Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Aber der Golfstrom hat sich für 200 Jahre abgeschwächt und sich erst dann wieder erholt.

„Wir machen uns gegenwärtig Gedanken darüber, ob etwas Ähnliches nicht noch einmal passieren könnte“, sagt Rahmstorf. Dann nämlich, wenn infolge der globalen Erwärmung der Niederschlag auf der Nordhalbkugel weiter zunimmt. „Dadurch könnten über längere Zeit hinweg vergleichbare Mengen Frischwasser ins Meer gelangen.“

So haben etwa die großen Flüsse in Nordeuropa und Asien seit 1930 sieben Prozent mehr Wasser ins arktische Meer transportiert. Der Golfstrom könnte dadurch in Zukunft wieder ins Stocken geraten, befürchtet Rahmstorf. Und dann würde es bei uns plötzlich kalt. Bitterkalt.

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