Gesundheit : Als Frau an der Spitze einer Technischen Uni

Peter Jähnel

Der Terminkalender von Ulrike Gutheil ist jeden Tag randvoll. Ein Zwölfstundentag ist normal für die Kanzlerin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus. Professoren, wissenschaftliche Mitarbeiter und Studenten geben sich bei der 39-jährigen Verwaltungschefin die Klinke in die Hand. Oft muss sie zu Beratungen ins Potsdamer Ministerium. Abends wartet ihre dreijährige Tochter auf sie, derweil ihr Mann noch in München arbeitet.

"Die ersten Monate waren sehr hart", zieht die erste deutsche Kanzlerin an einer Technischen Universität in Deutschland ein Resümee der Zeit seit ihrem Dienstantritt Anfang Januar. Die 1 200 Mitarbeiter merkten schnell, dass ein frischer Wind durch die Uni wehte. Die promovierte Juristin aus Niedersachsen setzt wie eine Managerin auf das Kosten-Leistungs-Prinzip: "Wir müssen all das nutzen, was auch ein Unternehmen erfolgreich macht."

Orientierung nach Osteuropa

In der kurzen Zeit hat die Verwaltungschefin aber schon einige Schwachstellen erkannt. "Wir brauchen in vielen Bereichen gesicherte Verfahrensabläufe für Wissenschaftler und Verwaltung", meint sie. Die Uni solle sich stärker nach osteuropäischen Partnern umsehen, um mehr Drittmittel einzuwerben. Gutheil tritt auch dafür ein, dass einer der Wissenschaftsknoten bei den Rechnersystemen auf Cottbus konzentriert wird. Außerdem will sie ein besseres Betriebsklima erreichen, das Leben auf dem Campus aktivieren und die Frauenförderung verstärken.

In ihrer Position sieht sich die Kanzlerin als Mittlerin zwischen Verwaltung und Wissenschaft. Sie will aber auch Ansprechpartnerin für alle Gruppen an der Universität sein. "Ich bin deshalb heilfroh, dass ich alle Facetten der Wissenschaftsverwaltung kenne", sagt sie. "Ich kenne mich in Stellenplänen aus sowie im Haushalt und in juristischen Feinheiten, kann aber auch mit übergeordneten Behörden verhandeln."

Dieses Wissen und die Fähigkeiten erwarb sich Ulrike Gutheil als Juristin bei der Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften in München. An der Cottbuser Universität, die 1991 aus der Bauhochschule hervorging, hat die Kanzlerin einen Jahresetat von 150 Millionen Mark zu verwalten.

Der Kanzlerin gefällt es in der Lausitz und an der Technischen Universität in Cottbus. Sie lobt die Studienbedingungen und das zahlenmäßige günstige Verhältnis der über 3 300 Studenten zu den 108 Professoren. "Hier gibt es noch nicht so feste Strukturen wie an vielen anderen Hochschulen." Vor ihr liegen schwierige Aufgaben, aber darum ist ihr nicht bange. "Für diese Aufgaben habe ich sechs Jahre Zeit, und die werden bestimmt gut ausgefüllt sein."

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