Gesundheit : Alternative Energien: Der Friesenquirl für jedermann

Dierk Jensen

Der Name ist zugleich Programm: Butendiek ist Plattdeutsch, es heißt so viel wie Außendeich. Und vor der nordfriesischen Küste, 30 Kilometer westlich vor der Ferieninsel Sylt, soll für rund 800 Millionen Mark der erste Bürgerwindpark in der Nordsee entstehen. Einzigartig ist dabei das Finanzierungskonzept der neun Gesellschafter, die alle aus der schleswig-holsteinischen Windparkszene kommen. Sie suchen nämlich 20 000 "Butendieker", die als Kommanditisten den 240-MW-Windpark im Meer mitfinanzieren wollen (www.butendiek.de). Geplant sind 80 Anlagen mit einer Leistung von drei Megawatt. Dies sind Anlagen, die 30 Meter in den Meeresgrund gestampft werden, in einer Seetiefe von 20 Metern stehen und dann 80 Meter über den Meeresspiegel ragen.

Butendiek setzt auf eine in der Region verankerte Bürgerbewegung, die vor der Haustür in die "Energie der Zukunft" investiert. "Wir zeigen damit, dass solch ein Projekt auch ohne Börse und Konzerne machbar ist", unterstreicht Mitgesellschafter Wolfgang Paulsen, der hofft, dass sich schon im Jahre 2005 die ersten Flügel drehen. Ob die Zeitplanung eingehalten werden kann, hängt vom Genehmigungsprozedere des hierfür zuständigen Bundesamtes für Seeschiffahrt und Hydrographie (BSH) ab.

Inzwischen liegen dort für die Ausschließliche Wirtschaftzone im Bereich der Nordsee acht Anträge vor. Denn Firmen wie die Winkra-Energie aus Hannover und Plambeck aus Cuxhaven planen sogar die Errichtung von Anlagentypen bis zu 5 MW Leistung, die es in der Praxis noch nicht gibt.

Der Run auf die Nord- und Ostsee hat eingesetzt, gilt es doch, die Claims für später abzustecken: Insgesamt beläuft sich das Antragsvolumen in Nord- und Ostsee auf stolze 8000 MW. Die Windbranche wittert seit dem Energie-Einspeise-Gesetz Morgenluft auf Hochsee, sieht ein riesiges Energiepotential. Zumal die an Land von der Politik zugebilligten Flächen für Windenergie langsam aber sicher bebaut sind.

Kein Wunder also, dass die Branche gebannt auf das Hamburger Amt starrt, das nach der sogenannten "Seeanlagenverordnung" diese Windprojekte zu genehmigen hat. "Ich rechne damit, dass der erste Antragsteller, die Prokon aus Leer, schon Mitte des Jahres eine positive Entscheidung für die Pilotphase erwartet", sagt der zuständige Bundesamts-Jurist, Christian Dahlke, vorsichtig. Wenn das angeforderte Untersuchungsprogramm für Fauna und Flora und die Risikoanalyse des Germanischen Lloyds vorlägen, dann könne eine Entscheidung schon bis zum Ende des Jahres fallen, meint Dahlke.

Derweil wird auf politischer Ebene zwischen Offshore-Betreibern in spe, Naturschützern und Vertretern der Schifffahrt um Positionen gerungen. Um Konflikte im Vorfeld zu vermeiden, lud die bündnisgrüne Bundestagsfraktion im Februar alle beteiligten Naturschutzverbände, Behörden und Akteure zu einem "internen Fachgespräch" ein.

Auf dieser Veranstaltung warnte Hans-Ulrich Rösner vom Projektbüro Wattenmeer des WWF die Grünen-Politiker und die Vertreter der Windbranche vor Wildwuchs in der Nordsee, wenngleich er sich grundsätzlich für den Bau von Offshore-Windparks aussprach. Jedoch befürwortet er einen Großstandort mit Pilotanlagen und beklagte "marine Wissenslücken", die durch Forschungsmittel - parallel zur Planungsphase von Meereswindkraft - zu schließen seien.

"Mit Problemen und Einwänden von verschiedenen Seiten haben wir gerechnet", reagiert Wolfgang Paulsen. Er setzt ohnehin auf enge Zusammenarbeit mit den Naturschutzverbänden. Sorgenfalten bekommt der Nordfriese erst dann, wenn von der Important Bird Area die Rede ist. Denn die geplanten Butendieker Windmühlen stehen in einem von der Vogelschutzorganisation Birdlife International identifizierten Schutzgebiet, dessen rechtlicher Status aber derzeit sehr umstritten ist. Ungeachtet der formaljuristischen Probleme kam eine von Butendiek in Auftrag gegebene ökologische Vorstudie zum Ergebnis, dass ein Windpark den Schutzcharakter des Vogel-Einzugsgebiets nicht erheblich beeinträchtige. Dies sehen auch die Dänen so, die dort den Offshore-Windpark Horns Rev errichten werden.

Die Butendieker, die mit "bewährter Technik und überschaubarer Größenordnung" operieren, statt in Gebiete mit großen Wassertiefen auszuweichen, sehen sich allenthalben bestätigt: Experten vom Firmenbeirat des Bundesverbands für Windenergie beim Fachgespräch in Berlin sagten, dass Planungen für 5-MW-Anlagen in Wassertiefen von mehr als 30 Metern aus technischer Sicht noch viel zu früh kommen. Zwar gehe auf lange Sicht die Entwicklung in diese Größendimension, doch seien zuvor Erfahrungen mit küstennäheren Projekten à la Butendiek notwendig.

Und so beginnt das neunköpfige Friesenteam mit seiner Kampagne zunächst einmal in der Heimat. Später sollen in ganz Schleswig-Holstein Anteilseigner für ihre fast milliardenschwere Unternehmung geworben werden. Dabei sei der Zuspruch für den "Demonstrationswindpark" schon enorm, schwärmt Paulsen.

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