Gesundheit : Althoff-Büste: Erneuerer der Charité

Rosemarie Stein

Er setzte sich energisch für den Ausbau der Hochschulen und für Neugründungen vor allem in den neuen Ländern ein. Dabei förderte er Schwerpunktbildungen und berief - oft gegen den Widerstand der Fakultäten - avantgardistische Forscher, nicht selten spätere Nobelpreisträger. Er gründete außeruniversitäre Forschungsinstitute und modernisierte das Bibliothekswesen. Er verstand es, trotz leerer Staatskasse das nötige Geld für die Bildung aufzutreiben: durch den Verkauf entbehrlicher Grundstücke aus öffentlichem Besitz, durch Verfolgung des Finanzministers bis in den Urlaub hinein, durch Rücktrittsdrohungen, durch Motivation von Sponsoren aus der Wirtschaft und durch "Public-Private Partnership".

Die Rede ist von Friedrich Althoff (1839 - 1908), dessen Büste am Montag feierlich wieder aufgestellt wurde - neben dem Verwaltungsbau der Charité in der Schumannstraße. Die Altbauten des Campus Mitte sind nämlich Althoff-Bauten. 1880 hatte der Charité-Direktor ihm eher ironisch ein Denkmal in Aussicht gestellt, falls er es trotz der aussichtslosen Finanzlage schaffen sollte, die marode Charité baulich zu erneuern. Er schaffte es - mit den erwähnten unorthodoxen Methoden, vor allem durch den Verkauf des alten, ohnehin zu kleinen Schöneberger Botanischen Gartens, der in der Domäne Dahlem verlegt wurde. Und er sorgte dafür, dass jede Klinik und jedes Institut der Charité ein eigenes, modern ausgestattetes Haus bekam.

Die 4000 Goldmark für die erste Bronzebüste sammelten die Charité-Professoren im eigenen Kreis. Den Auftrag erhielt Ferdinand Hartzer, ein Vertreter der realistischen Berliner Bildhauerschule, der durch seine Gelehrtenporträts bekannt wurde. Als vor nach 1993 die Neugestaltung der Charitebauten mühsam begann, wurde das Denkmal, wie alle anderen des Campus, zum Schutz eingelagert. Der Neuguss dieser Büste wurde durch den früheren Geschäftsführer der Berliner Ärtzekammer, Josef Kloppenborg, möglich.

Der ärztliche Direktor der Charité, Manfred Dietel, bat Althoffs Nachfolger in der Wissenschaftsverwaltung, Wolfgang Eckey, die Klinik in der heute schwierigen Situation weiter wirksam zu unterstützen. Eckey versprach, alles zu tun, was in der Macht der Wissenschaftsverwaltung steht, damit die Charité zu den noch fehlenden 200 Millionen der fest zugesagten 800 Millionen Mark für die Sanierung ihres Standorts Mitte kommt. Denn: "Der Wettbewerb ist hart - überregional und international -, und Berlin kann es sich nicht leisten, den Anschluss zu verlieren!"

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben