Gesundheit : Altöl ambulant reinigen

Aufbereitung von gefährlichen Sonderabfällen vereinfacht

-

Jedes Jahr werden 700 000 Tonnen Altöl durch die Bundesrepublik gefahren – von den verbrauchernahen Sammelstellen zu den großen zentralen AufbereitungsRaffinerien. Maschinenbauer der Ruhr-Universität Bochum haben nun eine Technik entwickelt, die wirtschaftlicher arbeiten und die langen Frachtwege verringern soll.

Das Problem mit dem Altöl sind seine Inhaltsstoffe. Das können Metallspäne und -schlämme sein, aber auch organische Verbindungen, die sich während des Gebrauchs bei hohen Temperaturen gebildet haben. Das sind meist Ruß-, Schwefel- und Chlorverbindungen. In herkömmlichen Recyclinganlagen wird der Wertstoff unter hohem Energieaufwand erhitzt, bis die wiederverwertbaren Bestandteile verdampfen und aufgefangen werden können. Da hierbei aber noch Schadstoffe „mitwandern“, muss das Material anschließend weiter gereinigt werden.

Die Bochumer Forscher hingegen nutzen einen Weg, der Chemikern vom Prinzip her schon im Grundstudium beigebracht wird: die Extraktion mit einem Lösungsmittel. In diesem Fall ist es Propan. Das ist bei Zimmertemperatur und Normaldruck ein Gas. In dem Reaktor muss der Aggregatzustand „überkritisch“ sein – also zwischen gasförmig und flüssig liegen, dann lösen sich im Propan die öligen Kohlenwasserstoffe am besten. Die Versuchsreihe ergab im Bereich von 110 Grad Celsius und 52 Bar Druck die überzeugendsten Ergebnisse. Die Lösung wird in dem Behälter nach oben abgeführt, im Sumpf unten sammeln sich die festeren Abfälle.

Da aber Chlor- und Schwefelverbindungen mit gelöst werden, muss man sie noch in diesem Zustand des Gemisches abtrennen – und zwar mit Wasserstoff. Das bildet an einer Katalysatorfläche Verbindungen mit dem jeweiligen Schadstoff, also Salzsäuregas sowie Schwefelwasserstoff. Danach wird das Propan vom Öl abgeschieden – der Rohstoff steht gesäubert bereit für den nächsten Einsatz oder für den Heizungsbrenner.

Die Maschinenbauer sind nun dabei, die Technik so zu verkleinern, dass sie in einen Container passt, der auf ein Lkw-Fahrgestell gesetzt werden kann. Damit lassen sich Firmen aufsuchen, um die Ölbehandlung gleichsam ambulant vorzunehmen. gih

Weiteres im Internet unter:

www.ruhr-uni-bochum.de/juniorrubin/pdf/beitrag13.pdf

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben