Gesundheit : Alzheimer: Das Gedächtnis der Mäuse

Adelheid Müller-Lissner

Rückt eine Impfung gegen die Alzheimer-Krankheit in den Bereich des in absehbarer Zukunft Möglichen? Gleich drei Arbeitsgruppen berichten in dieser Woche im renommierten Fachblatt "Nature" über Erfolge - allerdings bisher nur im Maus-Modell. Die Studien wurden an Mäusen durchgeführt, die zuvor durch Einschleusen der veränderten Kopie eines Gens in das befruchtete Ei für Alzheimer anfällig gemacht worden waren.

Die Impfung mit dem Eiweißkörper Beta-Amyloid führt, wie Forscher von der Universität Toronto und von der University of South Florida in Tampa zeigen konnten, nicht nur dazu, dass die für Alzheimer typischen Ablagerungen ("Plaques") dieses Eiweißstoffes in den Gehirnen der Mäuse gestoppt werden. Bei den transgenen Testmäusen zeigte sich auch eine Verlangsamung des geistigen Leistungsverlustes. Beide Erscheinungen sind für die Krankheit auch beim Menschen charakteristisch.

Voraussetzung für den Impf-Test war die Beantwortung der grundlegenden Frage: Können Mäuse überhaupt die Symptome von Alzheimer bekommen? Denn sie sind es ja, die die Krankheit für Menschen so bedrohlich machen. Doch ob die genetisch veränderten Mäuse tatsächlich in ihrem höheren Lebensalter solche Leistungseinbußen erleiden, ist nicht so leicht zu ermitteln wie die Eiweiß-Ablagerungen in ihren Gehirnen.

Mit raffiniert ausgeklügelten Testverfahren, die die räumliche Gedächtnisleistung über einen bestimmten Zeitraum hinweg prüfen, hat eine Arbeitsgruppe der Universität Edinburgh nun nachweisen können, dass es solche Defizite, die altersabhängig und mit den Eiweiß-Ablagerungen im Gehirn gekoppelt sind, auch bei den Nagern gibt. Mit solchen Aufgaben, in denen Mäuse zum Beispiel mehrfach eine bestimmte Strecke schwimmen und anschließend eine unsichtbare Plattform gezielt ansteuern mussten, deren Lage sich von Tag zu Tag veränderte, konnten die beiden anderen Arbeitsgruppen den Erfolg der Impfung ermitteln.

Wie sie genau wirkt, können die Forscher allerdings noch nicht sicher sagen. Den kanadischen Wissenschaftlern ist es allerdings gelungen, bei den geimpften Tieren die Bildung von Antikörpern gegen das Beta-Amyloid nachzuweisen. Dies und der Nachweis der Verminderung der Plaque im Tiermodell könnte im Wissenschaftlerstreit um die Ursachen der gefürchteten Alterskrankheit den Verfechtern der Ablagerungshypothese Auftrieb geben. Obwohl der Weg von der Impfung, die bei genetisch veränderten Mäusen hilft, zum Impfung für Menschen noch weit ist, betont der Brite Paul Chapman von der Cardiff School of Biosciences in seinem Kommentar in der selben Ausgabe der Zeitschrift, die drei Studien gäben "alles in allem Grund zum Optimismus".

In einer immer älter werdenden Gesellschaft ist solche Hoffnung dringend nötig: Etwa zehn Prozent der über 80 bis 85-Jährigen leiden heute an leichten bis schweren Formen dieser häufigsten demenziellen Erkrankung. Eine Heilung oder Vorbeugung gibt es trotz zahlreicher Studien noch nicht.

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