Gesundheit : Amanda und der Prinz

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Amanda fragt den Prinzen: „Können Sie mir den Weg zum Meer zeigen?“ Der Prinz antwortet: „Die zweite Straße links.“ Er verbeugt sich, traurig und höflich, steigt wieder auf sein Fahrrad und fährt davon. Ob der Prinz und die hübsche Amanda sich dennoch fanden, erfuhren die Schüler nicht mehr, die sich beim internationalen Schultest Pisa mit dem Ausschnitt aus einem Theaterstück beschäftigen mussten.

Die Aufgabe „Amanda und die Herzogin“ gehört zum Bereich Lesekompetenz, der durch Fragen zu naturwissenschaftlicher und mathematischer Grundbildung ergänzt wird. Mit Hilfe von komplexen Aufgaben wollten die Autoren des Pisa-Tests vergleichbare Erkenntnisse über den Wissensstand von 15-Jährigen ermitteln. Dabei ging es nicht um die Abfragung von Lehrplan-Inhalten, sondern vor allem um „wichtige Kenntnisse und Fähigkeiten, die man im Erwachsenenleben benötigt“. Die Pisa-Autoren: „Lesekompetenz ist mehr als einfach nur lesen zu können.“ Schüler sollen demnach nicht nur Informationen aus Texten ziehen, sondern die Texte auch einschätzen und bewerten können. Einige Beispieltexte enthalten auch Tabellen, Bilder und Karten.

So müsste ein Schüler, der den Auszug aus dem Amanda-Drama gelesen hat, zunächst mal in der Lage sein, den Inhalt zu erfassen. Soll Amanda, die im Auftrag der Prinzenmutter handelt, den Prinzen dazu bringen, seine Mutter öfter besuchen? Oder soll er durch den Kontakt zu Amanda den Schmerz über seine tote Geliebte vergessen? Aber von dem Schüler wird noch mehr verlangt: Er soll mit Hilfe der Regieanweisungen die Aufgaben für den Bühnenbildner auflisten und auf einer Skizze den Standort der Schauspieler eintragen.

Auch bei den Matheaufgaben geht es nicht nur um die Anwendung von Formeln. Die Aufgabe „Äpfel“ stellt beispielsweise einen Bauern vor, der einen Obstgarten anlegt. Die auf einer quadratischen Fläche angebauten Apfelbäume sollen durch Nadelbäume gegen Wind geschützt werden. Die Schüler sollten herausfinden, wie sich die Zahl der Apfelbäume im Vergleich zur Zahl der Nadelbäume verändert, wenn der Bauer die Anbaufläche vergrößert - entweder durch Abzählen oder durch mathematische Strategie. Weiterhin wurden den Schülern Tagebuchaufzeichnungen des im 19. Jahrhundert lebenden Arztes Ignaz Semmelweis vorgelegt, der sich darin mit möglichen Ursachen des Kindbettfiebers beschäftigt. Fragen dieser Art zielen auf den Zusammenhang von Gesundheit und Hygiene.

Befragt wurden die 15-Jährigen außerdem über ihr Lernverhalten: Ob sie eher auswendig lernen oder lieber zu verstehen versuchen, worum es geht. Und schließlich mussten sie in einer Art Psychotest Sätze ankreuzen, die Aufschluss über ihre Fähigkeit zur Kommunikation und Zusammenarbeit geben sollten. „Wie oft versuchst du deinen Mitschülern bei einer Aufgabe zu helfen, die du schon gelöst hast?“ heißt es da. Bleibt zu hoffen, dass die Nachbarschaftshilfe nicht allzu große Auswirkungen auf die Ergebnisse der Pisa-Studie hatte. dpa

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