Gesundheit : An der FU machen sich Psychologen über Arbeit, Erziehung, Gesundheit, Medien und Recht Gedanken

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1200 Psychologen sind zu einem viertägigen Kongress in Berlin zusammengekommen. Die vom Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) ausgerichtete Tagung steht unter dem Motto "Zukunft Mensch - Die Republik im Umbruch". Im Mittelpunkt stehen Diskussionen über Arbeit, Erziehung, Gesundheit, Medien und Recht. Die Tagung in der Freien Universität vereint den fünften Deutschen Psychologentag und den 20. Kongress für Angewandte Psychologie.

Im Rahmen der Veranstaltung fand die Verleihung der Hugo-Münsterberg-Medaille statt, die in diesem Jahr der Berner Psychologieprofessor Klaus Grawe erhält. Der BDP ehrt damit Grawes besondere Verdienste um die Angewandte Psychologie. Ihm sei es zu verdanken, "dass die Psychotherapie heute fester denn je in der wissenschaftlichen Psychologie verankert ist". Die Auszeichnung wird vom BDP seit 1981 alle zwei Jahre vergeben.

Der Preisträger betonte auf der Pressekonferenz, dass andere Hilfen für psychisch kranke Menschen insgesamt zu einer spürbar besseren Gesundheitsversorgung beitragen könnten. Denn viele von ihnen "irren jahrelang in unserem Gesundheitssystem umher, bis sie endlich eine adäquate Behandlung erhalten." Bei der aufwendigen Suche nach organischen Leiden würden wertvolle zeitliche und finanzielle Ressourcen vergeudet. Helfen könnten rechtzeitige Interventionen durch diejenige Berufsgruppe, die "sich am meisten mit der konkrekten Gestaltung der Lebenswelt beschäftigt." Was Grawe vorschwebt,ist dabei keinesfalls eine auf Dauer therapierte Gesellschaft von der Art, wie Woody Allen sie in seinen New-York-Filmen persifliert." Es sollte nicht zum guten Ton gehören, das wir alle regelmäßig auf der Couch sitzen", sagt Grawe.

Der mit der Hugo-Münsterberg-Medaille des BDP geehrte Schweizer Psychotherapieforscher Klaus Grawe sprach sich für eine "Psychologisierung" der Gesellschaft aus. Gesundheit hänge im weitesten Sinne von der psychischen Verfassung und diese von den realen Lebensverhältnissen ab, sagte Grawe bei der Preisverleihung. Rechtzeitige Hilfe durch Psychologen könne manche Körperkrankheit mindern oder verhindern. "Psychologen wissen am besten, wie psychische Verfassung und Lebensbewältigung zusammenhängen." Das zu niedrige Kassenbudget für Psychotherapie und die Ausgrenzung von direkt abrechnenden Psychotherapeuten aus der gesetzlichen Krankenversorgung würden den Anstrengungen zur Krankheitsvorbeugung in Deutschland entgegenstehen. Grawe hatte mit Gutachten den Grundstein zur Anerkennung der therapeutisch tätigen Psychologen gelegt.

Der freie Zugang der Krankenversicherten zum Psychotherapeuten ist nach Ansicht des Berufsverbandes Deutscher Pyschologen (BDP) gefährdet. Gut die Hälfte jener Therapeuten, die bislang direkt mit Kassen abrechneten, habe nicht die Zulassung zu den Kassenärztlichen Vereinigungen bekommen, sagte BDP-Präsident Lothar Hellfritsch auf dem Psychologentag. "Ich sehe die Situation als sehr bedrohlich an."

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