Gesundheit : An der Uni zu Hause

Zu lange Studienzeiten, zu viele Abbrecher: Mentoren können jüngeren Studenten ein großes Stück weiterhelfen

Bettina Bödeker

Wie organisiere ich mein Studium? Wie schreibe ich Referate und Hausarbeiten? Bin ich überhaupt richtig hier? Der Enthusiasmus der neuen Studenten wird im anonymen Unibetrieb schnell gebremst. Viele fühlen sich in der neuen Umgebung allein gelassen. Sie geben frustriert auf oder brauchen viel zu lange zum Abschluss, besonders in den wenig reglementierten geisteswissenschaftlichen Fächern. Doch gezielte Anstrengungen in der Betreuung unternehmen die Universitäten kaum.

Eine Ausnahme ist das Mentorenprogramm für Lehramts- und Pädagogikstudierende am Fachbereich Erziehungswissenschaften der Freien Universität Berlin (FU), das vor zwei Jahren ins Leben gerufen wurde. Das Prinzip ist denkbar einfach. Die Neulinge werden in Kleingruppen von maximal zwölf Personen über die Dauer von zwei Semestern von älteren Studenten betreut. Drei- bis viermal pro Semester treffen sich die Gruppen und besprechen mit ihren Mentoren Themen wie Stundenplangestaltung, Literaturrecherche oder den Umgang mit Prüfungsangst. Doch auch um Organisatorisches wie die fristgerechte Anmeldung zu Prüfungen geht es. Die Nachfrage ist groß, inzwischen musste die Zahl der Gruppen von sechs auf zwölf verdoppelt werden. Maike Gappa, Studentin der Erziehungswissenschaften an der FU, kann sich noch gut an ihre Startschwierigkeiten erinnern. „Ich wollte so schnell wie möglich wieder weg“, sagt sie rückblickend. Da kam ihr die Hilfe der Mentoren gerade recht.

Mit jährlich 7500 Euro unterstützt der Fachbereich das Projekt. Bescheidene 40 Euro pro Monat bekommen die Mentoren für ihren Einsatz. Viel Idealismus ist also gefordert. „Für mich ist die Mentorentätigkeit ein Glücksgriff“, erzählt Beate Vomhof, Studentin der Kleinkindpädagogik, „sowohl beruflich als auch menschlich“. Sie lerne viel über Beratung und die Vermittlung von Wissen. Inzwischen kann sie erste Erfolge verbuchen. Ihre Schützlinge haben sich alle fristgerecht zum Vordiplom angemeldet, zwei konnten sogar die Prüfung um ein Semester vorziehen. Die Teilnehmer der Gruppe von Mentorin Tatjana Kuhn bestanden die Zwischenprüfung sogar schon nach dem dritten Semester und lagen damit unter der Regelstudienzeit.

Knapp 200 Studenten haben das Mentorenprogramm bereits durchlaufen. Im Schnitt werde die Studienzeit um ein bis zwei Semester verkürzt, so das vorläufige Resümee des Erziehungswissenschaftlers Hansjörg Neubert, der das Programm ins Leben gerufen hat.

Doch das Mentoring verkürzt nicht nur die Studienzeiten. Häufig entstehen in den Gruppen enge Freundschaften und Arbeitsgemeinschaften. Viele wünschen sich, über das Grundstudium hinaus betreut zu werden. So beschloss Neubert, auch eine Gruppe für Fortgeschrittene zwischen dem vierten und sechsten Semester einzuführen. Der engagierte Professor könnte sich vorstellen, das Programm auch auf die Examensvorbereitung auszudehnen. Wegen der Umstellung auf die neuen Bachelor- und Masterstudiengänge werde die Beratung der Mentoren immer wichtiger. Auch Maike Gappa hat inzwischen ihren Anfängerfrust überwunden: „An der Uni fühle ich mich jetzt richtig zu Hause.“

Interessierte können sich noch bis zum Freitag im Sekretariat des Fachbereichs melden: Donnerstag 9 bis 14 Uhr Freitag von 9 bis 13 Uhr, Rostlaube Raum KL 23/101, Telefon 838 55 971. Online: mentorenprogramm@web.de

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