Gesundheit : „Anbau ermöglichen“

Der Biologe Klaus-D. Jany zu Nutzen und Risiken

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Sie haben in Ihrem Institut vor kurzem einen Tag der offenen Tür gemacht und den Besuchern „Gen-Essen“ kredenzt. Was hat man sich denn darunter vorzustellen?

Wir haben Produkte aus der grünen und weißen Gentechnik angeboten. Lebensmittel, in denen Erzeugnisse aus gentechnisch veränderten Pflanzen enthalten waren und solche, die mit der Gentechnik erzeugt wurden, mit gentechnisch veränderten Mikroorganismen oder Enzymen.

Und das kann man einfach so essen?

Es waren alles zugelassene, sichere Produkte. Gerade solche aus der weißen Gentechnik brauchen keine Zulassung und sind als unbedenklich eingestuft.

Den Leuten hat’s geschmeckt?

Wir haben von dem großen Sortiment, das wir angeboten haben, bis auf ein kleines Stück Käse nichts übrig behalten.

Wie bewerten Sie die aktuellen Ereignisse um das Thema „Gen-Reis“?

Da wurde sehr aufgeregt und zum Teil auch polemisch reagiert. Das Kritische dabei war, dass ein Reis, der nicht zugelassen worden ist, in die Handelskette gelangen konnte. Hier geht es nicht um Fragen der Lebensmittelsicherheit. Der „Gen-Reis“ war ungefährlich.

Wie sicher sind „Gen-Lebensmittel“?

Gentechnisch veränderte Lebensmittel, die zugelassen sind, sind genauso sicher, sie bergen keine andersartigen Risiken als die vergleichbaren Lebensmittel, die mit Pflanzen aus konventioneller Landwirtschaft hergestellt wurden.

Wie sieht es mit dem Allergierisiko aus?

Bei Lebensmitteln aus der Gentechnik gab es bislang keinen Hinweis, dass sie eine neue Allergie auslösen können.

Breiten sich durch die Biotechnik Gene in der Umwelt aus, die man nicht haben will?

Wir haben keine künstlichen Gene. Es sind alles Gene, die mehr oder minder in gleicher Art in der Natur vorkommen. Das bt-Toxin, das im Mais vorkommt, stammt aus einem Bodenbakterium.

Was hat der Verbraucher davon?

Die gegenwärtig vermarkteten Lebensmittel aus der Gentechnik haben für den Verbraucher keinen unmittelbaren zusätzlichen Nutzen. Es sei denn, man betrachtet den bt-Mais. Der wird weniger von einem Pilz befallen und wir haben weniger Pilzgifte in den Produkten.

Ist der Verbraucher so kritisch, weil er für sich keinen Vorteil sieht?

Wir haben eine Vollkaskomentalität. Eine Technik, von der man sich keinen Vorteil erwartet, wird eher abgelehnt.

Wie bewerten Sie das Gentechnikgesetz?

Wir sollten so schnell wie möglich ein Gentechnikgesetz auf den Weg bringen, das den Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen ermöglicht.

Das ist im Moment nicht möglich?

Doch, aber es ist sehr schwierig. Wir haben die gesamtschuldnerische und verschuldensunabhängige Haftung. Bei einer Auskreuzung gentechnisch veränderter Pflanzen muss ein Landwirt haften, auch wenn er die Regeln eingehalten hat.

Das Gespräch führte Hartmut Wewetzer.

Klaus-Dieter Jany leitet das Molekularbiologische Zentrum der Bundesforschungsanstalt für Ernährung in Karlsruhe.

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