Gesundheit : Angehende Biologielehrer als Packesel Warum so viele durch

die Prüfung fallen

Anja Kühne

„Irgendwann ist jede Festplatte voll“, schreibt eine Biologie-Studentin in einer Mail an den Tagesspiegel. Warum in Berlin so viel mehr angehende Biolehrer durch das erste Staatsexamen fallen als etwa angehende Geschichtslehrer (in den vergangenen fünf Jahren 31 Prozent gegenüber unter drei Prozent, wie in unserer Freitagsausgabe berichtet)? Aus Sicht der Studentin lautet die Antwort: Die Prüfungskommissionen sehen in den Kandidaten Packesel.

Es werde nicht berücksichtigt, dass es sich bei der Biologie um ein Fach handelt, in dem der Erkenntniszuwachs in den vergangenen Jahren geradezu explodiert sei. Und während Studierende, die das Diplom anstreben, sich auf Teilgebiete spezialisieren dürfen, „müssen angehende Biologielehrer alle Inhalte kennen, Botanik, Zoologie, Humanbiologie, Ökologie, Genetik, Molekularbiologie, Systematik, Paläobiologie, Geografie, Geschichte“ und anderes mehr – egal, ob jemand nun Grundschullehrerin werden will oder Studienrat, meint die Studentin, die anonym bleiben möchte.

Beim Landesprüfungsamt für Lehramtsprüfungen sucht man die Ursachen hingegen nicht im Prüfungsverfahren, sondern in der Kultur der naturwissenschaftlichen Fächer: „Die Naturwissenschaften sind von ihrer Struktur viel stärker auf Ja oder Nein angelegt als andere Fächer“, sagt Bernd Jacobs, der Leiter des Landesprüfungsamtes auf Anfrage.

Rudolf Ehwald, der als Biologie-Professor an der Humboldt-Universität selbst schon an dutzenden von Staatsprüfungen beteiligt war, sieht sein Fach hingegen nicht als Paukdisziplin: „In den Prüfungen wird nicht auf ein besonders großes Gedächtnis der Kandidaten Wert gelegt.“ Ausschlaggebend für die hohe Durchfallquote in der Biologie sei, dass viele Studierende das Fach mit den falschen Vorstellungen wählten. Sie unterschätzten, dass in der Biologie nur erfolgreich sei, wer auch physikalische und chemische Zusammenhänge versteht – „und da mangelt’s“, sagt Ehwald. An der Universität würden sich aber viele Professoren scheuen, die Wackelkandidaten schon in der Zwischenprüfung zu stoppen, bei der die Studierenden dann oft zu als „leicht“ bekannten Prüfern gingen.

Deshalb befürchtet Ehwald, dass es bei den Lehramtsprüfungen in der Biologie bald zu einem Niveauverlust kommen könnte. Denn mit den neuen Bachelor- und Masterstudiengängen werden die Prüfungen studienbegleitend und in der Regel ohne das wachsame Auge des Staatsprüfers abgenommen werden.

Bis dahin müssen Kandidaten die Situation als „Ansporn verstehen, gut zu studieren“, wie Ehwald formuliert. Denn auch bei der Wiederholungsprüfung fallen fast 26 Prozent durch.

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