Gesundheit : Angst vor dem Arzt

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52 ZIPPERLEIN (52)

Was ist das?

Manche Menschen ertragen schlimme Schmerzen, verzichten auf eine notwendige Behandlung und setzen mitunter sogar ihr Leben aufs Spiel, nur weil sie Angst vor dem Arzt haben. Dann kann aus dem Zipperlein eine gefährliche Sache werden. Nach einer Erhebung des Berufsverbandes der Allgemeinärzte haben zwei Millionen Deutsche krankhafte Angst vor dem Arzt, Iatrophobie genannt (von griech. iatros, der Arzt). Die Betroffenen verheimlichen ihr Problem, so dass es über Jahre unentdeckt bleibt.

Vor wem haben die Leute am meisten Angst?

Mit Abstand am weitesten verbreitet ist die Furcht vor dem Zahnarzt. Manche gehen erst dann zum Zahnarzt, wenn es wirklich nicht mehr anders geht oder sie wegen ihrer heruntergekommenen Zähne nicht mehr richtig essen können. Vielleicht liegt das daran, dass Patienten beim Zahnarzt früher schmerzhafte Behandlungen über sich ergehen lassen mussten. Ebenfalls bedrohlich sind für viele Patienten Besuche beim Nervenarzt, Orthopäden, Chirurgen oder Internisten.

Wer ist besonders betroffen?

Vor allem Männer gelten als Arztmuffel. Die meisten gehen nur dann zum Arzt, wenn es sich absolut nicht mehr vermeiden lässt. Hinzu kommt, dass sich nur jeder vierte Mann für medizinische Fragen interessiert und auch nur jeder vierte Vorsorgeuntersuchungen wahrnimmt. Bei Frauen sind diese Quoten fast doppelt so hoch. Zwischen zehn und 30 Prozent der Bevölkerung haben eine „WeißkittelHypertonie“. Bedingt durch die Aufregung steigt bei ihnen der Blutdruck, sobald sie die Arztpraxis betreten. Die Folge: Die Messwerte sind höher als der Blutdruck im Alltag tatsächlich ist, und zwar im Mittel um 22 (oberer „systolischer“ Wert) und um 13 (unterer „diastolischer“ Wert) höher.

Was kann man tun, um die Angst zu bekämpfen?

Ein Patentrezept gibt es nicht. Nach Ansicht von Psychologen ist ein erster wichtiger Schritt bereits getan, wenn die Betroffenen offen über ihr Problem reden können und sich den Angehörigen mitteilen. Psychologen und Verhaltenstherapeuten bieten spezielle Behandlungen für Arzt-Phobiker an. Sie setzen darauf, die Patienten allmählich an Warte- und Sprechzimmer und an den Arzt zu gewöhnen. So sollen die Betroffenen ihre Angst verlernen. Allerdings sind schätzungsweise an die 40 Therapie-Einheiten nötig, um einen Effekt zu erzielen. Und: Die Behandlung kann einen notwendigen Arztbesuch noch weiter hinauszögern.

Wie sieht’s aus, wenn man dringend zum Zahnarzt muss?

Herzrasen, Schwitzen, Muskelverspannung – typische Zeichen für Angst vor dem Bohrer. Auch hier kann eine Verhaltenstherapie helfen. Zahnkranke entspannt aber auch Musik über Kopfhörer oder beruhigende Bilder per Videobrille. Immer beliebter wird auch Hypnose als Mittel gegen die Angst. Der Arzt suggeriert dem Patienten, er solle die Zahnbehandlung vom Bewusstsein fernhalten. Weitere Möglichkeiten sind Akupunktur oder Beruhigungsmittel. Und manchen Dentalphobiker dürfte erleichtern, dass es mittlerweile auch ein spezielles Gel gibt, das die Zahnfäule verschwinden lässt. Gebohrt wird nicht mehr. Dafür dauert’s länger. wez

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