Gesundheit : Antikörper, die den Appetit dämpfen Ist die Magersucht eine Immunstörung so wie Rheuma?

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Magersucht und Bulimie (EssBrechsucht) gelten als seelisch bedingte Leiden. Jetzt aber haben Forscher Indizien dafür gefunden, dass diesen Störungen zumindest in einigen Fällen eine Immunkrankheit zugrunde liegen könnte. Damit wäre Magersucht ähnlich zu behandeln wie andere Immunkrankheiten, etwa Rheuma.

Serguei Fetissov und seine Mitarbeiter vom Karolinska-Institut in Stockholm konzentrierten sich bei ihren Nachforschungen auf den Hypothalamus. In diesem Bereich des Gehirns liegen jene Nervenzellen, die mit der Nahrungsaufnahme befasst sind. Diese Nervenzellen verständigen sich über eine Reihe von hormonartigen Botenstoffen.

Die Forscher untersuchten das Blutserum von 57 Patienten mit Magersucht oder Bulimie, berichten sie im Fachblatt „PNAS“. Dabei stellte sich heraus, dass drei von vier Frauen Antikörper (Abwehrstoffe) gegen die Hirnregion im Blut hatte. Diese Antikörper richteten sich gegen Zellen, die drei verschiedene Botenstoffe (Neuropeptide) herstellten.

Wenn die Hypothese der Wissenschaftler zutrifft, dann könnte ein falscher Alarm im körpereigenen Immunsystem zum Angriff auf das Esszentrum und damit zu Störungen im Essverhalten führen.

Allerdings: auch bei gesunden Frauen in einer Vergleichsgruppe stellten die Forscher Antikörper fest – jedoch nur zu 16 statt zu 74 Prozent. Nicht in jedem Fall müssen Antikörper also der Magersucht Vorschub leisten, und umgekehrt erkranken auch Frauen ohne diese Abwehrstoffe. wez

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