Gesundheit : Antikörper entlarvt Anthrax

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Im Oktober 2001 hielt ein weißes Puder die USA in Atem. In zahlreichen Briefen wurden die Sporen des gefährlichen Milzbranderregers, Bacillus anthracis, an Politiker und Nachrichtensender verschickt. Seitdem wird fieberhaft nach Tests gesucht, die schnell und verlässlich zeigen, ob es sich um die gefährliche Biowaffe oder lediglich um harmlose Speisestärke handelt. Schweizer Forscher haben nun einen Test entwickelt, mit dem Anthrax- Bakterien schneller als bisher diagnostiziert werden können. Dies berichten die Wissenschaftler jetzt online in der Fachzeitschrift „Angewandte Chemie“.

Es gibt inzwischen verschiedene Verfahren, um die Bakterien zu identifizieren. So kann man etwa an charakteristischen Teilen des Erbguts, der bakteriellen DNS, den Erreger erkennen. Solche Methoden sind allerdings aufwendig, teuer und oft zu langsam. Denn wurden die Sporen erst einmal eingeatmet, ist Eile nötig. Denn es besteht Lebensgefahr, wenn nicht innerhalb von 24 bis 48 Stunden mit einer Antibiotika-Behandlung begonnen wird. Nun haben die Schweizer Forscher die Wartezeit enorm verkürzt. „Mit unserem Test kann in weniger als einer Viertelstunde nachgewiesen werden, ob es sich um die gefährliche Bakterie handelt“, sagt Peter Seeberger von der ETH Zürich.

Die Forscher wählten ein bestimmtes Kohlenhydrat als Angriffspunkt für ihr Verfahren. Dieses Kohlenhydrat, das vor zwei Jahren auf der Oberfläche von Anthraxsporen entdeckt wurde, ist aus vier Zuckermolekülen aufgebaut. Ein solcher Vierfachzucker kommt sonst nirgends vor. Da sich diese Moleküle schwer isolieren lassen, bauten die Wissenschaftler das Kohlenhydrat im Labor nach, knüpften es an ein Eiweiß als „Träger“ und injizierten Mäusen diesen Stoff.

Um sich vor den fremden Molekülen zu schützen, bildeten die Tiere spezielle Eiweiße. Diese Eiweiße, die Antikörper, konnten aus Milzzellen der Mäuse gewonnen werden. Sie binden sich ausschließlich an Anthraxsporen. Dies dient als Ausgangspunkt einer hochempfindlichen Diagnostik. „Ich schätze, dass der neue Test in etwa einem Jahr auf den Markt kommen wird“, sagt Seeberger.ert

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