Gesundheit : Architektur und Denkmalpflege: Warum sich Städte gleichen

Nicole Dörr

Straßen, beinahe so breit wie Fußballplätze, gesäumt von schnurgeraden Häuserreihen sind typisch für Berlin. Wie aber kommt es, dass so mancher Platz, so manche Gartenanlage oder Straßenecke einen Hauch von Paris oder Wien hat? Die Geheimnisse und Besonderheiten der Metropole vermittelt der neue Aufbaustudiengang zur Geschichte der Berlin-Brandenburgischen Kulturlandschaft. Pünktlich zum 300-jährigen Bestehen Preußens bietet die Humboldt-Universität von Oktober an diesen gebührenpflichtigen Aufbaustudiengang, verbunden mit dem Abschluss "Master of Arts."

Das zweijährige Lehrprogramm gestalten Dozenten wie Ulrich Reinisch von den Kunsthistorikern sowie der frühere oberste Denkmalpfleger und heutige Geschäftsführer der Stiftung Denkmalschutz, Helmut Engel, in Zusammenarbeit mit der Architektenkammer. Die abendlichen Vorlesungen an den Philosophischen Fakultäten I und III sind auf Berufstätige zugeschnitten, stehen aber auch allen HU-Studenten offen. Vermittelt wird Wissen unter anderem in Landesgeschichte, Kunst-, Bau- und Architekturgeschichte.

Wie der wissenschaftliche Leiter des Aufbaustudiengangs, Laurenz Demps, erläuterte, soll das Projekt den Expertenmangel im landes- und kulturgeschichtlichen Bereich mindern helfen: "Die Praxis braucht Fachleute für Architektur und Denkmalpflege." Nur so lasse sich verhindern, dass der historische Charakter der Städtearchitektur in Berlin und Brandenburg in Vergessenheit gerate. Demps bedauerte, dass Berlin im Gegensatz zu anderen Bundesländern nur einen Lehrstuhl für Landeskunde besitze.

Ein Schwerpunkt der Architekturgeschichte, das 18. und 19. Jahrhundert, befasst sich mit den Auswirkungen des wirtschaftlichen Aufstiegs Preußens. Die auch heute noch spürbaren Gemeinsamkeiten Berlins mit den Hauptstädten London, Paris, Wien oder Budapest stammen aus dieser Industrialisierungsperiode, ebenso das preußische Fluchtliniengesetz von 1853, das für alle Häuser den gleichen Winkel festlegte. In Anlehnung an diese alte Vorschrift plante man damals auch die nordöstlich verlaufenden Straßenzüge. Wozu? Demps: "So brachte man frische Meeresluft vom Stettiner Haff in die Stadt und linderte den Gestank tausender Viehställe."

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