Gesundheit : Architekturstudium: Mehr Praxisnähe: Morgens Planer, mittags Zeichner, abends Manager

Franz Wegener

"Planen, bauen, managen und finanzieren" - diese vier Felder will die neu gegründete Initiative "agenda 4" im Architekturstudium, bei den Bauingenieuren, Immobilienökonomen und Stadtplanern stärker integrieren. Vergangene Woche lud die Initiative aus Wissenschaft und Wirtschaft zum "Hochschulgipfel" über die Verbindung von Studium und Berufswelt ins Ludwig-Erhard-Haus der Berliner IHK. Wegen des erwarteten dramatischen Einbruchs der Studentenzahlen werde in der Bau- und Wohnungswirtschaft bald ein regelrechter "Kampf um die jungen High Potentials" ausbrechen, begründet Bernd Heuer, Geschäftsführer der "Bernd Heuer Dialog GmbH" und Initiator von "agenda 4", den Handlungsbedarf der Wirtschaft. Außerdem hätten die meisten Studenten "keine annäherungsweise Ahnung von dem, was sie im Beruf erwartet", meint Manfred Burkelc von der Commerzbank. Theorie und interdisziplinäre Praxis müssten enger verknüpft werden.

"agenda 4" will vor allem das Internet zur Integration nutzen. Forschungsarbeiten der einzelnen Fachbereiche sollten gemeinsam ins Netz gestellt werden. Auch eine Praktikums- und Stellenbörse sei denkbar. Architektur und Soziologie, Ökonomie und Ökologie, Geographie und Recht, alles das greife ineinander im Immobiliensektor, erklärt Rolf Kyrein, Professor an der TU München. Die zukünftigen Absolventen sollten weniger in die Tiefe gehen, als vielmehr von allem ein bisschen Ahnung haben. "Interdisziplinarität ist doch kein Selbstzweck", wirft Hans Jörg Duvigneau von der Berliner Wohnungsbaugesellschaft GSW ein. "In den 70er Jahren hatten wir schon einmal interdisziplinäre Architekten, die aber nicht mehr entwerfen konnten."

Die Handvoll anwesenden Studenten wissen auch nicht, wie sie die vielen angedachten Zusatzqualifikationen noch in ihrem Studium unterbringen sollten. Da denken die Disputanden auf dem Podium an ein interdisziplinäres Aufbaustudium nach dem Diplom. Bei den Bauingenieur-Studenten, die schon jetzt durchschnittlich 16 Semestern an der Uni verbringen, kommt auch diese Idee nicht gut an. Auf Bachelor und Master angesprochen, meint Bernd Kochendörfer, Professor an der TU, man befinde sich da nur "im luftleeren Raum - alles noch nicht ausdiskutiert". Die vorsichtige Frage von Boris Safner von der Technologiestiftung Berlin, ob man den Studiengang Architektur denn überhaupt viermal in Berlin anbieten müsse, bleibt unbeantwortet.

Am Schluss der Diskussion war das Podium "von den Ergebnissen positiv überrascht". Die Studenten sahen es nüchterner: "Die Diskussion hat sich wie immer im Kreis gedreht". Und da es für die verbeamteten Professoren keine Anreize zu mehr Leistung oder Kreativität gebe, würde sich auch in Zukunft niemand ein Bein für Reformen an der Uni ausreißen.

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