Gesundheit : Artenschutz: Heilige Geschenke für einen lebendigen Planeten

Julia Thurau

Die Taoisten Chinas appellieren an ihre Mitglieder, gefährdete Tierarten wie Tiger, Nilpferde, Braunbären und Moschustiere nicht mehr für die traditionelle chinesische Medizin zu verwenden. Mongolische Buddhisten erneuern ein Jagdverbot zum Schutz des Schneeleoparden. Katholiken in den USA und Kanada wollen für den Schutz des Columbia Rivers Sorge tragen. Und amerikanische Juden fordern ihre Glaubensbrüder auf, die CO2

Emmission bis 2010 um fünf Prozent zu senken. Die Religionen der Welt begehren auf: gegen die Verschmutzung der Umwelt, gegen die sinnlose Verschwendung natürlicher Ressourcen; für das Klima, für die Vielfalt der Arten.

Anlässlich der Jahrestagung der internationalen Naturschutzorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) reisten Vertreter von elf Religionen in Nepals Hauptstadt Katmandu. In ihrem Gepäck befanden sich heilige Geschenke für einen lebendigen Planeten. Der WWF-Ehrenpräsident, Prinz Philip von Großbritannien, nimmt sie dankend entgegen. Doch sind es keine Geschenke zum Anfassen, nichts, was man sich ins Regal stellen könnte. Es sind vielmehr Taten und Versprechen zum Wohl des Planeten, der all diesen Religionen ein Zuhause bietet.

Die heiligen Geschenke sind das Ergebnis der bereits vor vier Jahren vom WWF ins Leben gerufenen Initiative "Living Planet". Im Rahmen dieser bislang größten Aktion in der Geschichte der Naturschutzorganisation forderte der WWF neben jedem Einzelnen auch Regierungen, Kommunen, Wirtschaftsunternehmen und Kirchen auf, bis zum Jahr 2000 konkrete Verpflichtungen zum Schutz der Umwelt einzugehen.

Mit Erfolg. Selbst der Papst nahm sich im Oktober des Naturschutzes an und segnete eine Schatulle, die aus zehn verschiedenen Hölzern gearbeitet war - natürlich alle aus umweltverträglich bewirtschafteten Wäldern. "Die Stimmen der Religionen finden überall auf der Welt Gehör", sagt Claude Martin, Generaldirektor des WWF International. "Die heiligen Geschenke haben Vorbildfunktion, die im Idealfall bis zu vier Milliarden Menschen zum Mitmachen ermuntern können."

Der Grundstein für die Zusammenarbeit der Weltreligionen mit dem WWF wurde bereits 1986 auf einem gemeinsamen Treffen in Assisi in Italien gelegt. Damals waren die Religionen aufgerufen, ihre Sicht von Naturschutz einzubringen. Ein Gebiet übrigens, auf dem die Glaubensgemeinschaften längst mitreden können.

Allein für die evangelische und katholische Kirche Deutschlands sind mehr als 50 ehrenamtlich oder hauptberuflich arbeitende Umweltbeauftragte unterwegs. Tagungen beschäftigen sich immer wieder mit der Rolle der Kirchen im Naturschutz. Und seit einigen Jahren bietet die Allianz der Religionen und des Naturschutzes (Alliance of Religions and Conservation, ARC) den kirchlichen Umweltschützern eine internationale Plattform. 1995 in England gegründet, vereinigt der ARC heute elf Glaubensrichtungen aus der ganzen Welt: Bahai, Buddhisten, Christen, Hindus, Jains, Juden, Muslime, Shinto, Sikhs, Taoisten und Zoroaster.

Eine ungewöhnliche Mischung. Schließlich entstammen die Religionen ganz unterschiedlichen Kulturen, einige bekämpfen sich sogar hartnäckig. Doch wenn es um die Natur geht, so scheint es, ziehen alle an einem Strang.

Für den katholischen Theologen Gotthard Dobmeier hat das mit dem Ursprung der Menschen zu tun: "Wenn sich Religionen mit der Natur beschäftigen, besinnen sie sich auf ihre Wurzeln, und die sind in allen Religionen gleich", erklärt der Umweltbeauftragte der Erzdiözese München und Freising.

Auch für den WWF ist die Naturverbundenheit der Religionsgemeinschaften der Schlüssel zu einem Leben im Einklang mit der Natur: "Alle Religionen beinhalten Lehren zum Schutz der Natur." Dieses Potenzial wolle man nutzen.

Nach Ansicht der evangelischen Kirche Deutschland widersprechen die gegenwärtigen Eingriffe des Menschen in die Natur Gottes Willen und Auftrag und sind nach biblischen Verständnis Sünde. In einer entsprechenden Studie heißt es etwas abstrakter: "Wünschenswert, ja sogar notwendig ist es, zusammen mit anderen Religionen zu einem auf die globale Umweltverantwortung bezogenen globalen Wertekonsens zu gelangen."

An den heiligen Geschenken und dem ARC sind die deutschen Christen jedoch nicht beteiligt. Was für die Katholiken eher ein Problem der Kommunikation untereinander ist, scheint von evangelischer Seite beabsichtigt. Die Beteiligung in Nepal, so hieß es, sei nicht sinnvoll. Man habe abgesagt und wolle sich lieber auf die Arbeit vor Ort konzentrieren.

Der ARC hofft dennoch, im kommenden Jahr ein heiliges Geschenk aus Deutschland zu bekommen. Vielleicht in Form einer umweltgerechten Waldbewirtschaftung oder als Sonnenkollektoren. Möglichkeiten gibt es viele.

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