Gesundheit : Asthma bei Kindern: Ein Freispruch für die Milbe

Manuela Röver

Erhöhter Hustenreiz, verstärkte Schleimproduktion, entzündete und verengte Bronchien - diese Symptome sind charakteristisch für Asthma und führen zu quälender Luftnot. Untersuchungen zeigen, dass die Häufigkeit von Asthma im Kindesalter in den letzten 20 Jahren stark zugenommen hat. Die meisten Allergologen machen veränderte Umweltbedingungen dafür verantwortlich. Besonders verdächtig erschienen Hausstaub, Milben und Katzenhaare.

Mediziner haben nun in fünf deutschen Städten rund 1000 Kinder sieben Jahre lang beobachtet. Die Studie wurde von der Berliner Charité koordiniert. Sie sollte klären, ob Hausstaub oder Katzenhaare in der Umgebung von Kindern die Erkrankung auslösen.

"Die veränderte Bauweise, mehr Haustiere und der Umstand, dass man heute mehr Zeit in Innenräumen verbringt, führen sicherlich zu einer erhöhten Allergenexposition der Kinder", erklärt Susanne Lau von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Allergologie und Immunologie der Charité. Sie veröffentlichte die Ergebnisse der Studie jetzt in der Fachzeitzeitschrift "Lancet" (Band 356, Seite 1392).

Viele Neubauten werden heute als Niedrigenergiehäuser errichtet; bei mangelnder Lüftung stellt sich in diesen Gebäuden schnell ein zu feuchtes Raumklima ein, dass das Vorkommen von Milben begünstigt. In den Untersuchungen wurde daher regelmäßig die Belastung durch Hausstaubmilben und Katzenhaare im Wohn- und Schlafbereich bestimmt. Außerdem dokumentierten die Allergologen die Beobachtungen der Eltern zur Entwicklung von Atemwegserkrankung ihrer Kinder und hielten fest, wie oft die Diagnose "Asthma" gestellt wurde.

"Bei den meisten Kindern handelt es sich um allergisches Asthma", erläutert Susanne Lau. "Allergiker reagieren auf Sachen, die normalerweise vom Immunsystem toleriert werden. Es werden Antikörper gebildet, die dann dafür verantwortlich sind, dass man krank wird." Im Blut der Kinder wurde daher das Ausmaß der Antikörperbildung gegen Hausstaubmilben und Katzenhaare gemessen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kinder auf Allergenbelastungen in Innenräumen reagieren. Sie bildeten Antikörper, individuell unterschiedlich stark und in Abhängigkeit von der Höhe der Belastungen. Ob sich aber Asthma entwickelte, war unabhängig von der Menge an Allergenantikörpern und vom Ausmaß der Belastung.

Entscheidend für eine Erkrankung ist also nicht die Menge an Hausstaub oder Katzenhaaren in der Umgebung der Kinder. "Das kann Eltern den Druck nehmen, dass eine falsch eingerichtete Wohnung für die Asthmaerkrankung ihrer Kinder verantwortlich ist", interpretiert Lau die neuen Erkenntnisse. "Sehr wahrscheinlich hat Asthma genetische Ursachen, und man wird vermutlich schon als Asthmatiker geboren." Die allergieunabhängige Komponente des Asthmas scheint einen größeren Einfluss auf die Entstehung der Krankheit zu haben als bisher gedacht.

Was für das vermehrte Auftreten von Asthma verantwortlich ist, ist nach wie vor unklar. Auf Grund der kurzen Zeitspanne, in der die Zahl der kranken Kinder stieg, schließen die Mediziner eine rein genetische Ursache aus. "Wir vermuten, dass die Wechselbeziehung zwischen Gen und Umwelt sich gewandelt hat", sagt Susanne Lau. "Veränderte Umweltfaktoren könnten dafür verantwortlich sein, dass ein Gen plötzlich krank macht."

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