Gesundheit : Auch ein Lächeln kann vererbt werden

Dagny Lüdemann

„Ab 30 ist jeder für sein Gesicht selbst verantwortlich“, sagt der Volksmund. Das ist falsch, jedenfalls was die Mimik angeht. Gesichtsausdrücke wie ein unverwechselbares Lächeln oder ein typisch grimmiger Blick können nämlich zumindest teilweise vererbt werden. Das hat eine Doktorandin von der Universität Haifa in Israel gemeinsam mit ihren Kollegen herausgefunden. Ihre Ergebnisse wurden nun im amerikanischen Fachblatt „PNAS“ (Band 103, Seite 15921) veröffentlicht.

Gili Peleg und ihr Team interviewten 21 von Geburt an blinde Personen, die noch nie Gesichtsausdrücke anderer Menschen sehen und damit auch nicht durch Nachahmung erlernen konnten. In den Interviews wurden die Versuchspersonen zu traurigen, schönen, ärgerlichen oder ekelerregenden Erfahrungen befragt. Ihre Mimik wurde während der Gespräche auf Video aufgezeichnet.

Danach mussten die Probanden ein Puzzle lösen. Sie konzentrierten sich und die Wissenschaftler filmten ihren Gesichtsausdruck. Die gleichen Aufgaben stellten die Forscher sehenden Verwandten der Blinden und zum Vergleich nicht verwandten Personen.

Obwohl Menschen aller Kulturen bei Emotionen ohnehin eine ähnliche Mimik zeigen, konnten die Forscher bei der Auswertung der Filme feststellen, dass die Gesichtsausdrücke der sehenden und blinden Verwandten bei Traurigkeit, Ärger und Konzentration besonders ähnlich und teilweise sogar identisch waren. Bei Ekel, Freude und Überraschung gab es größere Unterschiede zwischen den Verwandten. Dennoch glich sich die Mimik auch bei diesen Gefühlen stärker als bei nicht verwandten Personen.

Einen kleinen Haken hat die Studie allerdings: Da die Augen, die Mundpartie und die Gesichtsmuskeln von Verwandten ohnehin häufig ähnlich angeordnet sind, liegt es nahe, dass sich auch ihre Mimik gleicht. Um zu beweisen, dass die Gesichtsausdrücke tatsächlich unabhängig davon vererbt werden, wollen die Forscher jetzt die Gene im Erbgut finden, die die Mimik eines Menschen steuern.

Charles Darwin, der Begründer der Evolutionstheorie, hatte schon vor mehr als 100 Jahren vermutet, dass Kinder bereits bei der Geburt die Veranlagung haben, Gesichtsausdrücke zu deuten und mit Gefühlen zu verbinden. Falls die Forscher die Mimikgene des Menschen finden, würde das die These Darwins untermauern.

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