Gesundheit : Auf der Suche nach dem veränderten Gen im Feld

Thorsten Metzner/Reinhart Bünger

Das Potsdamer Agrarministerium sieht für das Land keine Gefahr durch gentechnisch veränderten Raps. In Brandenburg sei solcher Raps der britischen-niederländischen Firma Advanta nach bisherigen Erkenntnissen nicht ausgesät worden, sagte ein Ministeriumssprecher am Freitag auf Anfrage. Das Saatgut war nach Firmenangaben versehentlich an Deutschland und andere EU-Länder geliefert und dort ausgebracht worden. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hatte den Fall öffentlich gemacht und verursachte in Brandenburg erhebliche Irritationen: Nach intensiven Recherchen haben das Potsdamer Agrarministerium und der Landesbauernverband bislang "keinerlei Erkenntnisse", dass gentechnisch manipulierter Sommerraps auch in Brandenburg ausgesäht wurde. Das erklärte SPD-Agrar- und Umweltminister Wolfgang Birther am Freitag dem Tagesspiegel. Auch die Greenpeace Zentrale in Hamburg, die damit anderslautende frühere Angaben zurücknahm, hat bislang keinerlei konkrete Hinweise auf nach Brandenburg verbrachten Gen-Raps.

Nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums sind die 1350 Kilogramm Raps, die mit gentechnisch verändertem Saatgut vermischt wurden, ausschließlich nach Baden-Württemberg ausgeliefert worden. Die Saat sei nur zu 0,03 Prozent verunreinigt und die verkaufte Menge reiche für etwa 300 Hektar.

"Dennoch dürfen solche Pannen nicht vorkommen", sagte Birthler. Sie würden die Kritik und Ablehnung der Bevölkerung gegen gentechnisch manipulierte Nahrungsmittel nur verstärken. Der SPD-Agrar- und Umweltminister wies darauf hin, dass in diesem Jahr in Brandenburg nur wenig Sommerraps ausgesäht worden sei, der vorwiegend für die Herstellung von Biodiesel verwendet wird. Ursprünglich hatte Greenpeace neben Baden-Württemberg und Niedersachsen auch Brandenburg als Empfängerland des Gen-Raps-Saatgutes genannt, dessen Verwendung in der Europäischen Union verboten ist: Jan van Aken, Gentechnik-Experte der Hamburger Deutschlandzentrale der Umweltschutzorganisation, räumte gestern auf Anfrage ein, dass es "keine konkreten Hinweise" auf nach Brandenburg verbrachten Gen-Raps gebe. Es sei jedoch auch nicht ausgeschlossen, weil der Großhändler, an den das genmainpulierte Saatgut aus niederländischkanadischer Produktion ausgeliefert wurde, sich nach Greenpeace-Erkenntnissen in Norddeutschland befinden soll. Und in Brandenburg, das geographisch dazu gezählt werden könnte, werde zumindest Raps der betroffenen Sorte Hyola 401 - wenn auch in geringem Umfang - angebaut, so van Aken. Deshalb sei eine Auslieferung nach Brandenburg "durchaus denkbar." Um welchen Großhändler es sich handelte, darüber hatte Greenpeace am Freitag allerdings noch keine Erkenntnisse. Für die widersprüchlichen Angaben machte Greenpeace die Lieferfirma des Saatgutes verantwortlich, die sich bedeckt halte.

Das Brandenburger Agrar- und Umweltministerium äußerte sich dennoch befremdet über die Informationspolitik der Umweltorganisation. Sprecher Florian Engels: "Wenn nur nach einem Blick auf die Landkarte behauptet wird, dass Saatgut nach Brandenburg gebracht wurde - dann ist das Panikmache und eine nicht zu rechtfertigende Verunsicherung der Bevölkerung, egal, wie kritisch man zur Gentechik stehen mag." Engels wollte sich nicht auf eine Phantomdiskussion einlassen. Mögliche Maßnahmen seines Ministeriums seien vom konkreten Fall abhängig.

Das in Umlauf gelangte Saatgut stammt nach bisherigen Erkenntnissen aus der Züchtungsfirma Petersen in Lundsgaard bei Flensburg. Es sei möglicherweise beim Transport aus Kanada im Schiff durch Reste vorangegangener Ladungen verunreinigt worden, hieß es.

Welche Veränderungen der "Genraps" aufweist, sei noch nicht abschließend geklärt. Es handele sich vermutlich um eine "Herbizid-Resistenz", also um verstärkte Abwehrkräfte gegen Unkraut. Der Raps werde vor allem für Bio-Diesel verwendet.

Ein Greenpeace-Experte hatte nach einem Bericht der "Märkischen Allgemeinen" vom Freitag die Ansicht geäußert, der verunreinigte Raps sei wahrscheinlich auch in Brandenburg ausgesät worden. Das schloss der Agrarexperte der Umweltorganisation, Martin Hofstetter, aus dem Umstand, dass Brandenburg das zweitgrößte Rapsanbaugebiet in Deutschland ist.

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