Gesundheit : Auf Glückssuche mit Foucault

Florian Weiss

Als die Eingangstür des kleinen Gebäudes mit der großen Glasfassade hinter mir ins Schloss fällt, schießen mir die verrücktesten Assoziationen durch den Kopf. So eine undefinierbare Mischung aus dem "Club der toten Dichter" und dem "Denker" von Rodin, aus weißen Bärten, griechischen Säulen und staubigen Bücherregalen.

Während die Leute ihre Plätze einnehmen, stürzen meine Philosophie-Klischees nach und nach in sich zusammen: Niemand aus der Gruppe lässt sich in irgendeine Schublade einordnen. Selbst der Dozent, Dieter Thomä, kommt nicht in wallenden Gewändern und Sandalen, sondern in Jeans.

Die Veranstaltung "Die Humanismus - Kontroverse im 20. Jahrhundert" beschäftigt sich mit dem Streit, der in diesem Jahrhundert um die Begriffe des Menschen und des Humanismus ausgefochten wurde. Auch heute provoziert das Thema noch. "Das am meisten belastende Erbe, das uns aus dem 19. Jahrhundert zufällt, ist der Humanismus", schreibt etwa Michel Foucault. Geschickt greift Thomä die vielen Redebeiträge auf. Er versteht es ausgezeichnet, das Augenmerk in die verschiedensten Richtungen und entlegensten Winkel zu führen.

So schreitet die Zeit recht zügig voran, während wir die "verschleiernde Wolke des Humanismus" abregnen lassen und dem "abstrakten Herzen die wahren Leidenschaften gegenüberstellen." Nur gegen Ende wird es richtig emotional: Foucault teilt uns quasi beiläufig mit, dass "Glück" nicht verdiene, ein theoretisches Problem zu sein und wir vielmehr "die Möglichkeiten des Funktionierens optimieren" sollten. So darf ich mich am Ende des Tages wenigstens in einem romantischen Vorurteil gestärkt sehen: Die Philosophen sind doch auf der Suche nach dem Glück. Oder?"Die Humanismus-Kontroverse im 20. Jahrhundert" immer mittwochs, 18 bis 20 Uhr, in der Habelschwerdter Allee 30, Seminarraum 1.

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