Gesundheit : Aufstieg aus der Asche

Wie Theodor Mommsen seine Bücher verlor und die „Monumenta“ rettete – eine Berliner Ausstellung

Helmut Caspar

Am 12. Juli 1880 ereilte den berühmten Rechtshistoriker und Altertumskundler Theodor Mommsen (1817–1903) ein schreckliches Unglück. Sein Haus an der Marchstraße in der damals noch selbstständigen Stadt Charlottenburg, nicht weit vom heutigen Ernst-Reuter-Platz, wurde durch einen verheerenden Brand zerstört – und damit auch seine 40 000-bändige Bibliothek. Arbeiter der nahe gelegenen Königlichen Porzellanmanufaktur alarmierten die Feuerwehr. Nur mit Mühe konnte der Gelehrte allerdings davon abgehalten werden, in das brennende Haus zu laufen, um Manuskripte und Bücher zu retten. „Nie habe ich dieses Bild der Verzweiflung vergessen“, schrieb Mommsens Tochter Adelheid.

Der Brand löste eine Hilfsaktion ohnegleichen aus. Solidaritätsbekundungen und Spenden aus allen Himmelsrichtungen trafen bei dem 63-jährigen Mommsen ein. Sie halfen, seine Bücherschätze einigermaßen zu rekonstruieren und seine Stimmung aufzuhellen. Nicht ersetzt werden konnten die vielen Aufzeichnungen und Zettelkästen, aber auch einmalige Handschriften, an denen der Gelehrte gerade gearbeitet hatte. Die Heidelberger Universitätsbibliothek hatte Mommsen ein etwa tausend Jahre altes Manuskript geliehen, die Jordanes-Handschrift über die Geschichte der Goten. Sie verzichtete generös auf Schadenersatz.

Diese Handschrift hatte Mommsen für die „Monumenta Germaniae Historica“ (MHG) bearbeitet, die Edition der schriftlichen Quellen zur deutschen Geschichte von der Spätantike bis zum Beginn der Neuzeit. Den Schock über die Verluste überwand Mommsen – indem er sich in die Arbeit an den Monumenta stürzte. Nicht nur die Arbeit an seinen eigenen Bereich intensivierte er, Mommsen machte es sich auch zur Aufgabe, das ganze Editionsprojekt zu retten. Die Monumenta waren unter ihrem Leiter Georg Heinrich Pertz in eine Krise geraten, unter Mommsen erlebten sie einen neuen Aufschwung – wie „Phönix aus der Asche“. Unter diesem Titel berichtet jetzt eine Ausstellung der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, an der das Monumenta-Projekt angesiedelt ist, über Mommsen und die Monumenta. Gezeigt werden Bücher, alte Fotos und natürlich auch ein paar angekohlte Blätter.

Die Ausstellung zeigt auch, wie Mommsen die Monumenta-Edition reorganisierte. Er erschloss mit diesem Unternehmen der Geschichtswissenschaft eine Fülle von Informationen, auf die spätere Historikergenerationen aufbauten. Über 200 Bände der Monumenta sind bisher erschienen, und ein Ende ist nicht abzusehen.

Die Ausstellung im Foyer der Akademie-Bibliothek, Unter den Linden 8 (Eingangsbereich Staatsbibliothek), ist bis zum 21. Dezember montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet.

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