Gesundheit : Aus der Trickkiste geplaudert

TOM HEITHOFF

Das klingt wirklich nach Hollywood. Volker Engel ist "Special Effects Supervisor". Er ist für die gesamten optischen Tricks eines Films verantwortlich, ersinnt und realisiert also entweder selber Effekte oder delegiert Aufgaben an andere Spezialisten. Mit dem Film "Independence Day" (Regie Roland Emmerich) gewann er den Oscar für die special effects 1996. Auf Einladung der Potsdamer Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" sprach der 34jährige Meister der vor Filmstudenten."Es wird mir großen Spaß machen, mit dieser Vorlesung auch ein wenig zur Entmythisierung Hollywoods beizutragen", sagte Engel vor knapp 80 Nachwuchsfilmern. Immer wieder werde kolportiert, daß zum Beginn eines Drehtages in Hollywood ein Gläschen Sekt gehöre. Erwartungsvolles Lauschen im Publikum. Doch Engel schüttelt bedauernd den Kopf und erzählt, daß ihm diese Freude leider nie widerfahren sei und daß er auch über Kollegen nie von solch spritzigen Frühstücken gehört habe. Nein, der Arbeitstag sei überaus hart. "In der Regel kommt man um sieben Uhr morgens an den Drehort und ist selten vor 23 Uhr wieder zu Hause." Der Produktionsaufwand für einen solchen Film sei einfach "gigantisch". Um das durchzuhalten, benötige man eine "absolute Liebe zum Medium Film". Im Publikum werden wohl einige ihre eigene Liebe auf den Prüfstand gestellt haben, als Engel davon spricht, daß er für "eineinhalb Jahre sein Leben aufgegeben habe, um es für das Projekt hinzugeben".Und was ist mit Glamour? Nein, von Glamour sei bei der Produktion nichts zu spüren. Und als Beweis zeigt er das Foto eines Arbeitszimmers, das sich in nichts von einer nüchternen Buchhalterkammer unterscheidet. Auch in der Traumfabrik werde "nur mit Wasser gekocht".Ein bißchen verrückt muß man schon sein im Filmbusiness. Dieses Klischee kann und will Volker Engel, der von Haus aus Grafikdesigner ist, gar nicht widerlegen. Daneben sei aber eine weitere Eigenschaft unabdingbar, wenn man im dortigen Filmbetrieb bestehen will. "Ohne Teamfähigkeit läuft gar nichts". Gerade wegen der ungeheuren Spezialisierung in den USA müsse ständig kommuniziert werden. Auch er selbst habe lernen müssen, daß man als Eigenbrötler nicht weit kommt. Eine Hauptaufgabe habe darin bestanden zu motivieren, und das gehe nur, "indem man das Gespräch sucht".Schließlich gibt Engel in einer Diashow Beispiele seiner konkreten Arbeit. Und die sind nun wirklich überraschend, hatte man doch die modernsten Computertricks erwartet. Und dann erzählt Engel, daß im Film gerade einmal zwei Szenen komplett im Computer generiert worden sind. Größtenteils habe man mit Modellen gearbeitet und mit dem "compositing", bei dem zwei nacheinander gefilmte Einstellungen digital auf einen Filmstreifen kopiert werden.Die Autos, die da durch die Luft fliegen, stammen aus dem Spielzeugladen. Die "Straße" war ein Drahtgitter, durch das von unten ein starker Luftstrahl geblasen wurde. Durch Zeitlupenaufnahme und geschickte Ausleuchtung ergibt sich eine vollkommen realistische Wirkung. Ebenso einfach wie wirkungsvoll die Szene, in der mehrere Boeings nebeneinanderfliegen. Die Modelle hängen an Drähten vor einem vergrößerten, leicht bewegten Foto des Himmels. Den Reflex eines überspringenden Sonnenstrahls habe eine einfache Glühbirne besorgt, die zum richtigen Zeitpunkt über dem Modell angeknipst wurde. Kollegen hätten ihn später gefragt, welche Software er für die Szene benutzt habe . . . Die besten Ideen sind eben oft die einfachen.

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