Gesundheit : Aus drei mach zwei

Max-Planck-Forschung sieht sich vor rasantem Abbau, Bulmahn verteidigt Sparen bei der Forschung

Bärbel Schubert

Die deutsche Spitzenforschung sieht sich wegen der drohenden Einsparungen vor einem dramatischen Abbau. Mehr als 20 Institutsabteilungen und eventuell ganze Institute der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) müssten dann geschlossen werden, kündigte MPG-Präsident Peter Gruss am Dienstag in Berlin an. Bei den Schließungen könne es „keine Tabus geben“, auch nicht für Institute in den neuen Bundesländern. Auch der Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), Ernst-Ludwig Winnacker, sieht die Entwicklung der Forschung in Deutschland gefährdet.

Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) verteidigte unterdessen die geplante Nullrunde im kommenden Jahr für die beiden Forschungsorganisationen. Zusätzliche Forschungsinvestitionen in den neuen Bundesländern seien nötig. Auch beim Bafög, beim Meister-Bafög und der wissenschaftlichen Nachwuchsförderung wolle sie nicht kürzen, sagte Bulmahn in der Parlamentsdebatte über ihren Haushalt 2003. Nach den Etatsteigerungen für DFG und MPG in den vergangenen Jahren halte sie das Einfrieren der Ausgaben auf dem diesjährigen Niveau angesichts der aktuellen Kassennotlage für vertretbar.

Winnacker und Gruss befürchten indes, dass diese Entscheidung Signalwirkung für die Länder hat; denn Bund und Länder hatten sich im Sommer auf eine Etatsteigerung für die Spitzenorganisationen um drei Prozent verständigt. „Wir fragen uns natürlich, wer als Nächstes aussteigt“, sagte Gruss mit Blick auf die Finanzminister. DFG und MPG setzen nun auf die Ministerpräsidenten, um doch noch mehr Mittel zu bekommen. Bayern, Niedersachsen, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein hätten schon Zustimmung signalisiert.

Teure Naturwissenschaften

Andernfalls verliert die Forschung mit dem Bundes- und gleich den Länderanteil. Die MPG beziffert ihre „Einbuße“ am 1,23 Milliarden-Euro-Gesamtetat mit 28 Millionen Euro, die DFG mit 43 Millionen Euro. Schon in den vergangenen Jahren hätten die Zuwächse von drei bis fünf Prozent jährlich deutlich unter dem Bedarf gelegen, erläuterte Gruss die weitreichenden Konsequenzen. Die Max-Planck-Institute seien mittlerweile strukturell stark unterfinanziert. Zudem seien Neuberufungen besonders in den Naturwissenschaften deutlich teurer geworden. Die Investitionen bei einer Stellenbesetzung koste dort heute rund 2,5-mal so viel wie vor zehn Jahren, rechnete MPG-Generalsekretärin Barbara Bludau vor. Folglich würden voraussichtlich nur zwei von drei ausscheidenden Direktorenstellen wieder besetzt. In den nächsten sechs Jahren werden 80 Direktoren emeritiert.

Sorgen bereitet MPG wie DFG, ob sie beim Anwerbung von Spitzenwissenschaftlern gegenüber der internationalen Konkurrenz zurückfallen. In den USA gerade sei sowohl der Etat des National Institutes of Health um 15 Prozent, der der National Science Foundation sogar um 100 Prozent erhöht worden. Von den Spareinschnitten sind nach Gruss Worten zunächst die neuen Programme betroffen, wie die Nachwuchsförderung an den International Research Schools, die Klinische Forschung und die Max-Planck-Forschungsgruppen an Universitäten. Bei der DFG sind nach Winnackers Worten ungefähr 2000 Doktoranden betroffen. Auch die Sonderforschungsbereiche müssten pauschal um 4,5 Prozent gekürzt werden.

Die MPG will künftig ihre Interessen in Berlin stärker vertreten. Dazu soll ein eigenes Hauptstadt-Büro beitragen, dessen Leitung der bisherige Spiegel-Redakteur Jürgen Neffe (46) im Januar übernimmt. Die MPG hat ihren Hauptsitz in München.

Ausgezeichnete Forscher

Die Max-Planck-Gesellschaft und die Alexander von Humboldt-Stiftung haben am Dienstag auch die Preisträger des diesjährigen Max-Planck-Forschungspreises bekannt gegeben. Die Ehrung wird für international herausragende Leistungen verliehen.

Die jeweils mit 125 000 Euro dotierten Preise werden am 11. Dezember in Berlin an zwölf Wissenschaftler übergeben. In den Geistes- und Sozialwissenschaften wird der Anglist Ekkehard König von der Freien Universität Berlin ausgezeichnet – für seine sprachtypologischen Arbeiten. Er teilt sich den Preis mit dem Marburger Psychologen Frank Rösler. In den Biowissenschaften und Medizin wurde der Freiburger Biochemiker Nikolaus Pfanner für Erkenntnisse zur Funktionsweise von Zellen und dem daraus resultierenden Verständnis von Krankheiten wie Diabetes mellitus ausgewählt. Ein Preis für Chemie und Pharmazie geht an Franz Hofmann von der TU München, der genetische Ursachen für die Arteriosklerose fand.

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