Gesundheit : Aus Stärken und Schwächen das Beste machen

Wie die Humboldt-Universität sich für die zweite Runde im Elitewettbewerb aufstellt. Der Wissenschaftsrat erklärt die Regeln

Uwe Schlicht

Die Humboldt-Universität hat im Exzellenzwettbewerb ihre eigenen Erwartungen nicht einlösen können. Die Hochschule, die in Rankings stets unter den ersten zehn landet, hatte fest damit gerechnet, in den Kreis der Elitekandidaten aufgenommen zu werden. Stattdessen muss sie sich mit zwei Forschungsclustern und einer Graduiertenschule für den wissenschaftlichen Nachwuchs begnügen. Und ob sie diese in der Entscheidungsrunde im Oktober durchbekommen, muss sich erst noch zeigen.

Wer erwartet hatte, dass die Humboldt-Universität bei der ersten Sitzung des Akademischen Senats nach der Verkündung der vorläufigen Ergebnisse im Exzellenzwettbewerb öffentlich nach Schuldigen für das Desaster suchen würde, wurde gestern enttäuscht.

Der neue HU-Präsident Christoph Markschies rief die HU-Angehörigen lediglich auf, für die nächste Wettbewerbsrunde an einem neuen Konzept für den Elitestatus zu arbeiten. Dabei komme es darauf an, langfristige Ziele für eine überzeugende Zukunftsstrategie zu entwickeln. Die Gutachter von Wissenschaftsrat und Deutscher Forschungsgemeinschaft verlangten von jeder Universität, die sich um den Elitestatus bemüht, eine klare Beschreibung ihrer Stärken und eine offene Analyse ihrer Schwächen sowie einen Katalog von Maßnahmen, die daraus folgen. Markschies forderte die Wissenschaftler auf, sich nicht nur auf den Elitestatus zu konzentrieren, sondern weiter an Konzepten für Graduiertenschulen und Exzellenzcluster zu arbeiten, weil diese eine Voraussetzung für die Königsdisziplin des Wettbewerbs seien.

Markschies’ Appell entspricht einer Erklärung, die der scheidende Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Karl Max Einhäupl, am Montag in Berlin abgegeben hat. Einhäupl verwies darauf, dass in der eigentlichen Entscheidungsrunde um den Elitestatus nur drei Universitäten „auf der sicheren Seite“ seien: die Technischen Universitäten Aachen und München sowie die Universität München. Sie sind jeweils mit mehreren Graduiertenschulen und Forschungsclustern weitergekommen. Das verschafft ihnen ein Polster für die Endausscheidung: Denn Voraussetzung für den Elitestatus ist, dass die Unis am Ende mit mindestens mit einer Graduiertenschule und einem Forschungscluster erfolgreich sind. Alle anderen Universitäten, die jetzt Vollanträge in der dritten Säule des Wettbewerbs stellen können, hatten in der Vorrunde mit jeweils nur einen Cluster und ein oder zwei Graduiertenschulen Erfolg – darunter auch die Freie Universität Berlin mit je einem Antrag. Wenn die FU die Jury also mit ihrem ausführlichen Zukunftskonzept überzeugt, müsste nur der Cluster oder die Graduiertenschule durchfallen, damit der Traum zerplatzt.

Einhäupl ermutigte indes alle Hochschulen, deren Zukunftskonzepte in der ersten Runde durchfielen, im April für die zweite Runde des Exzellenzwettbewerbs anzutreten. Der Berliner Neurologe (Charité) erläuterte die noch immer die geheimnisumwitterten Kriterien für den Elitestatus: In ihren Anträgen müssten die Universitäten darstellen, wie sie dauerhaft an die Spitze kommen wollen und welche Defizite sie auf diesem Weg noch überwinden müssen. Darüber hinaus würden Indikatoren gewertet, die für eine dauerhafte Forschungsleistung sprechen: die Zahl der Graduiertenkollegs, der Sonderforschungsbereiche, der Forschungszentren, der DFG-Forschergruppen und die Drittmittel. Außerdem spiele die Einschätzung im DFG-Ranking eine Rolle.

Außerdem wird auch die aktuelle Entwicklung der Bewerber-Unis in den letzten Jahren besonders gewichtet. Schließlich werden unter den Hochschulen Gruppen gebildet. Jeweils untereinander verglichen werden Technische Universitäten, besonders große Universitäten, mittlere und kleinere Universitäten mit einer langen Tradition und neu errichtete Hochschulen. Die Gruppenbesten kommen weiter. Eine große Rolle bei den Entscheidungen spielt auch das Votum anerkannter Wissenschaftler, vor allem aus dem Ausland: Im so genannten Peer Review werde danach gefragt, wie sie jede Bewerberhochschule einschätzen.

Am Ende unterlief Einhäupl, der heute als Chef des Wissenschaftsrats von dem Altgermanisten Peter Strohschneider abgelöst wird, noch ein Versprecher: Als Berliner hätte er sich gewünscht, dass in der ersten Runde auch eine Berliner Uni dabei sei, sagte Einhäupl. Fragende Blicke. Einhäupl stutzte – und korrigierte sich: „Ist ja auch eine dabei, die Freie Universität.“

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