Gesundheit : Ausbau der Fachhochschulen: Versprochen, vertagt, verschoben

Heiko Schwarzburger

Die Fachhochschulen sollen in Berlin mit Vorrang ausgebaut werden. Denn Berlin liegt beim Anteil der Studienanfänger an Fachhochschulen weit unter dem Bundesdurchschnitt. Der Wissenschaftsrat hat daher den Berliner Senat in seinem Gutachten aufgefordert, endlich die größte Fachhochschule der Stadt, die FHTW in Karlshorst, mit einem neuen Campus auszustatten. Aber nichts bewegt sich. Nun hat der Akademische Senat der Hochschule diese Unbeweglichkeit in einem Beschluss scharf kritisiert. Einstimmig fordert das Gremium die Politiker auf, "umgehend eine entsprechende Standortentscheidung zu treffen". Das Finanzierungskonzept für einen zentralen Campus müsse realistisch sein.

Vor Jahresfrist hatte Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) bei der Prognos AG ein Gutachten bestellt, das seit dem Sommer vorliegt. Der 64-seitige Bericht favorisiert einen Campus auf dem Gelände des ehemaligen Berliner Kabelwerkes in Oberschöneweide oder den Ausbau des Standortes an der Treskowallee in Karlshorst, Sitz der FHTW-Zentrale. "Seitdem tut sich nichts mehr", klagt der Präsident der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft Helmut Schmidt. "Dabei könnte nun endlich eine Entscheidung fallen."

Staatssekretär Lange, die rechte Hand von Wissenschaftssenator Christoph Stölzl, weiß noch nicht, wann das Land Berlin die Mitfinanzierung eines neuen Campus für die Fachhochschule beim Wissenschaftsrat und damit beim Bund anmelden wird. Die Kosten sind beträchtlich. Sie entsprechen denen, die für die Sanierung des Olympiastadions aufzuwenden sind. Die Prognos-Gutachter beziffern die Kosten für einen zentralen FHTW-Campus auf rund 350 Millionen Mark. Eine Schwierigkeit kommt noch zur notorischen Finanzknappheit des Landes hinzu: In Oberschöneweide sind auf dem ehemaligen Industriegelände der AEG bereits aus Geldern des Bundes und der EU Bodensanierungen und ein Rohbau finanziert worden. Es ist eine offene Frage, ob diese Gelder bei Umwidmung des Geländes für die Hochschulnutzung zurückgezahlt werden müssen. Dann drohen Mehrkosten von 110 bis 120 Millionen Mark und der baldige Ausbau eines Campus würde in noch weitere Ferne rücken.

Was wären die Alternativen? 382 Millionen Mark fallen an, wenn die Hochschule in ihren Provisorien bleiben und dort Räume für 1200 neue Studenten anbauen muss. "Das ist überhaupt nur in Blankenburg oder in Karlshorst möglich", erläutert Präsident Schmidt. "Unsere Außenstellen in Lichtenberg und am Warschauer Platz in Friedrichshain sind schon restlos verbaut." Die Summe gliedert sich in 286 Millionen Mark für Erweiterungsbauten und 96 Millionen für die Sanierung vorhandener Gebäude.

Die große Fachhochschule im Osten ist ein Opfer des Sparkurses. Erhielt die FHTW früher rund 12 Millionen Mark im Jahr für die Bauunterhaltung, sind es heute nur noch drei Millionen. Die Hochschule hat keinen nennenswerten Neubau im Bestand, sämtliche Gebäude wurden von einstigen Hochschulen aus der DDR übernommen. Ihr Verfall ist kaum noch aufzuhalten: Undichte Dächer und Risse in den Mauern lassen die Schäden schon auf benachbarte Gebäude übergreifen. Neben der Zwangsschließung von Häusern durch die Bauaufsicht drohen dem Land erhebliche Regressforderungen.

Die FHTW hat derzeit rund 8000 Studenten, ihre fünf Fachbereiche sind zwischen Blankenburg im Berliner Nordosten, Friedrichshain, Lichtenberg und Karlshorst im Südosten verteilt. In die Bauunterhaltung dieser fünf Standorte wurden seit 1993 rund 100 Millionen Mark gesteckt. In ein Provisorium wohlgemerkt, denn seit langem wird die Vereinigung aller Standorte der Hochschule in Karlshorst, Adlershof oder Oberschöneweide diskutiert.

Nach langem Hin und Her haben sich SPD und CDU endlich darauf geeinigt, den Ausbau ein wenig voranzutreiben. Die Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) in Karlshorst darf vom Sommersemester 2001 an pro Jahr 320 Studenten zusätzlich aufnehmen, um vor allem den dringenden Bedarf an Informatikern zu bedienen. Das sind über alle Semester gerechnet gut 1200 neue Studienplätze. Dafür erhält die FHTW im vertraglich zugesicherten Haushalt rund sechs Millionen Mark mehr. Dieses Geld ist für Dozenten gedacht, um die Ausbildung in der Informatik zu stärken.

Dringend notwendige Investitionen in neue Gebäude oder in Ausbildungstechnik wurden bislang nicht bewilligt. 1200 neuen Studenten steht rein rechnerisch ein Flächenkontingent von 12 000 Quadratmetern zu: für Hörsäle, Seminarräume, PC-Pools, Dozentenbüros und Toiletten. "Damit fehlen uns nun schon 30 000 Quadratmeter", rechnet FHTW-Präsident Helmut Schmidt vor. "Das entspricht einem Drittel unseres gesamten Flächenbedarfes."

Für eine Übergangszeit könnte die Hochschule einige ihrer Außenstellen in Oberspree konzentrieren. Dann entstünden zwei große Standorte, immerhin besser als fünf kleine Splitter. "Natürlich bleibt ein Campus für alle Studenten das langfristige Ziel", bekräftigt FHTW-Präsident Schmidt einmal mehr. "Dazu brauchen wir jedoch endlich einen verbindlichen Stufenplan." In der Koalitionsvereinbarung von SPD und CDU steht geschrieben, dass die FHTW als wichtige Hochschule weiterentwickelt werden soll. Präsident Schmidt meint skeptisch: "Langsam fangen die Probleme an, uns unter den Nägeln zu brennen."

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