Gesundheit : Ausgefuchst

Studi – was nun? Lernen und lieben, essen und sparen, streiken und Spaß haben: Fünf Berliner Campus-Kenner geben den Anfängern Tipps

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DAS SOMMERSEMESTER BEGINNT

Der Mensa-Fuchs

Ich koche zwar selbst, aber mittags siegt bei mir meistens die Faulheit. Deswegen habe ich vor zwei Jahren angefangen, Berliner Mensen auszutesten. Auch die, die nicht in der Nähe meines Instituts liegen. Meine Lieblingsmensa ist die Mensa Nord der Humboldt-Uni. Die hat eine große Auswahl, und das Essen schmeckt meistens klasse. Besonders gut ist der Aktionsstand, wo die Gerichte frisch zubereitet werden. Die Küchenfrauen sind dort auch die nettesten: Die reichen das Essen immer mit einem Lächeln über die Theke. Mein Geheimtipp ist eine Cafeteria im 12. Stock im Mathematik-Gebäude der Technischen Universität. Beim Essen hat man einen tollen Panoramablick über Berlin. Im Sommer finde ich es wichtig, dass man draußen essen kann. Die Mensa der Kunsthochschule Weißensee hat einen gemütlichen Innenhof. Die interessantesten Menschen trifft man in der FHTW-Mensa am Warschauer Platz. Die Design-Studentinnen und Studenten dort sehen am besten aus. Das Essen ist allerdings keine kulinarische Erfahrung. Die schlechteste Mensa? Schwer zu sagen. Die TU-Mensa in der Hardenbergstraße mag ich nicht: Der Saal ist ungemütlich und das Essen nur durchschnittlich. Prinzipiell gilt: Je kleiner die Mensa ist, desto früher muss man kommen, um noch etwas abzubekommen.

Michael Pflanz, 26, studiert Gartenbauwissenschaften an der Humboldt-Universität.

Die Flirt-Füchsin

Bei den Philosophen denken viele: Mein bester Freund ist mein Buch, und Bekanntschaften halten nur vom Lernen ab. Dementsprechend schwer fand ich es am Anfang, in der Uni Freunde zu finden – obwohl ich gerne neue Leute treffe und von einer Party zur nächsten gezogen bin. Der Durchbruch war ein Logikseminar. Dafür haben wir alle im selben Café gelernt – am Anfang unabhängig voneinander. Irgendwann haben wir dann gemerkt, dass wir alle am gleichen Stoff scheitern und regelrechte Leidensgruppen zum Lernen gebildet. Aus dem gemeinsamen Leiden sind richtig tiefe Freundschaften entstanden. Die Mensa ist auch eine gute Kontaktbörse, da wird man ständig angesprochen. Im Sommer gehen wir in den Streichelzoo. So nennen wir die Wiese vor der HU-Mensa, weil der Rasen dort immer total überfüllt ist und man sich fast zwangsläufig näher kommt. Auf Semesterfahrten lernt man seine Mitstudenten auch mal privat besser kennen. Ein Geheimtipp sind Willkommenspartys für Erasmus-Studenten. Die Austauschstudenten sind immer sehr entspannt und wollen Kontakte knüpfen. Die Bibliotheken sollen angeblich sogar ein wahrer Heiratsmarkt sein, aber davon habe ich bisher nichts mitbekommen. Bei mir bleibt es an der Uni bei flüchtigen Flirts. Grundsätzlich gilt beim Flirten in der Uni: Sieht man einen gut Aussehenden, sollte man ihn sofort ansprechen. Die Uni ist so groß, dass die Chance gering ist, ihn in den nächsten Wochen zufällig ein zweites Mal zu treffen.

Fanny Tanck, 22, studiert Philosophie, Musik und Kulturwissenschaft an der Humboldt-Universität. Auf dem Foto mit Martina, ihrer besten Freundin aus der HU, und Tim von der TU.

Die WG-Füchsin

Der heikelste Punkt in einer Wohngemeinschaft ist auf alle Fälle das Putzen. In meinem eigenen Schmutz kann ich bestens leben, aber ich werde viel pingeliger als ich eigentlich will, wenn die anderen mehr Dreck hinterlassen. In meiner jetzigen WG wohne ich mit meiner Schwester zusammen, da ist unser ähnliches Sauberkeitsempfinden wohl ererbt, und unser dritter Mitbewohner ist eher noch sauberer. Beim Abwasch gibt es einen Trick: Wir haben nur sehr wenig Geschirr, deswegen entstehen keine Abwaschberge. Geld ist ein weiterer Streitpunkt. Bei einer gemeinsamen Haushaltskasse spart man zwar Geld, aber irgendwie kommt es dann zu so blöden Diskussionen wie: Dein Freund isst die ganze Zeit das, was ich bezahlt habe. Wir kaufen getrennt, aber beim gemeinsamen Essen teilen wir natürlich. Mein Tipp: Mit Älteren zusammenziehen, die sind ausgeglichener und ruhiger. Zu dritt wohnen hat den Vorteil, dass man ohne schlechtes Gewissen mal die Tür hinter sich schließen kann. Ich würde immer mit Freunden in einer Wohnung leben, denn eine WG sollte mehr sein als nur billig. Schwierig wird es nur dann, wenn man neben der Wohnung auch das gleiche Studium und den gleichen Job hat – dann sieht man sich einfach zu oft und hat sich zu Hause nur noch wenig zu sagen.

Oda Caspar, 23, studiert Neuere und Neueste Geschichte an der Humboldt-Universität.

Der Streik-Fuchs

Wie man einen Streik erfolgreich organisiert? Ich bin seit zwei Jahren im Asta der TU, und eines ist klar: Von oben herab kann man einen Streik nicht bestimmen. Wir haben schon letzten Sommer auf die Kürzungen des Senats hingewiesen, aber das hat die Studenten nicht zu Aktionen motiviert. Im Winter waren sie auf einmal bereit, was zu machen. Wichtig war, die Kommilitonen ständig zu informieren. Viele wollen Beweise sehen: Welcher Politiker hat was gesagt? Welche Summen werden genau eingespart? Mit Ideologie kommt man da nicht weit. Und man sollte sich über eine Sache klar werden: Will man an einem bestimmten Tag viele Leute auf der Straße haben, oder die Öffentlichkeit für ein Thema sensibilisieren? Eine Demo mit 20 000 Teilnehmern kommt und geht und ist schnell wieder vergessen. Viele kleine Aktionen, die das Straßenbild prägen, vergisst niemand so schnell. Dabei muss man sein Thema so anbringen, dass sich die Leute auf der Straße angesprochen fühlen – also witzig, kreativ, oder auch mal eine Besetzung. Das Internet als Kommunikationsmittel hat uns sehr geholfen. Wir hatten an heißen Streiktagen vierzigmal so viele Klicks auf unserer Webseite wie an normalen Unitagen. Wir lassen auch im neuen Semester nicht locker.

Mathias Hofmann, 23, studiert Energietechnik an der Technischen Universität.

Die Lifestyle-Füchsin

Ich habe einfach keine Lust auf der Straße dauernd Leute zu treffen, die genauso aussehen wie ich. Als Studentin ist das natürlich ein Problem, wenn man nicht ständig knietief im Dispo stecken möchte. Also kaufe ich oft in Läden, die billige Designer-Stücke und Second-Hand-Sachen verkaufen. Im Tenderlon am Hackeschen Markt beispielsweise gibt es spanische Designer-Labels, von denen jedes Stück etwa 30 Euro kostet. Die Kaktusblüte in der Kastanienalle und die Meldestelle in der Eberswalder Straße verkaufen zum H&M-Preis Oberteile, die sonst keiner trägt. In der Weinmeisterstraße kann man gut Schuhe kaufen, die ungewöhnlich aussehen und trotzdem billig sind. Bei H&M kaufe ich auch: Shirts und Jeans, allerdings nur, wenn sie nicht zu auffällig sind. Wo ich mich informiere, was hip ist? Eigentlich nirgendwo, ich lese keine Modemagazine, sondern nur Musikzeitschriften, um neue Platten zu entdecken. Ich möchte kein Wannabe sein – eine, die so aussieht wie Stars oder dahin geht, wo Promis hingehen. Deswegen bin ich auch in meinem Ausgehverhalten konservativ. Ich richte mich nach meinem Musikgeschmack, und Clubs für Independent-Pop gibt es nicht so viele. Schließlich sollen Ausgehen und Tanzen Spaß machen – und wenn das der Fall ist, sehen die meisten von alleine interessant und individuell aus.

Dagmar Wendelmuth (25) studiert Medienpädagogik an der Universität Potsdam.

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