Gesundheit : Ausländische Professoren: Teurer Jungbrunnen

Heiko Schwarzburger

Wo besonders begabte Nachwuchswissenschaftler und Spitzenkräfte aus dem Ausland hingehen, dort müssen zumindest die Forschungsleistungen gut sein. Denn die Wissenschaftler, die die Alexander von Humboldt-Stiftung ins Land holt, haben die Freiheit, die Hochschule oder das Forschungsinstitut zu wählen, das ihnen am meisten bringt. Im vergangenen Jahr vergab die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) 514 Stipendien an ausländische Wissenschaftler. Das waren rund 80 Stipendiaten mehr als 1999. "Vor allem Berlin, Heidelberg, München und der Raum Stuttgart-Karlsruhe sind für unsere Gäste ein beliebtes Ziel", analysierte AvH-Präsident Wolfgang Frühwald. Mehr als die Hälfte der AvH-Stipendiaten verteilt sich bundesweit auf 20 Universitäten. "Dabei ist die Humboldt-Universität innerhalb kurzer Zeit in diese Spitzengruppe vorgestoßen. Auch die Technische Universität Berlin gehört neuerdings dazu." Die Stipendiaten kommen vor allem aus China, Indien, Russland, den USA, Polen und Japan. Nach mehreren Monaten gehen die Forscher in ihre Heimatländer zurück und bekleiden dort oft wichtige Positionen.

Die Stiftung wird vom Auswärtigen Amt und vom Bundesforschungsministerium mit rund 78 Millionen Mark finanziert. Dieses Jahr erhielt sie einen kräftigen Zuschlag. "Aus den UMTS-Milliarden stehen uns stehen 90 Millionen Mark zur Verfügung, um ausländische Wissenschaftler dauerhaft an deutsche Universitäten zu holen", kündigte Wolfgang Frühwald an. "Damit können die Universitäten neue Spitzenleute berufen, bevor die Lehrstühle durch Pensionierungen frei werden. Drei Jahre lang übernehmen wir eine angemessene Ausstattung und ein gutes Gehalt für die neuen Wissenschaftler, dann muss die Professur in den Etat der Universität übergehen." Das neue Programm steht auch anderen Trägern der deutschen Wissenschaft wie der Max-Planck-Gesellschaft oder der Fraunhofer-Gesellschaft offen.

Besorgt äußerte sich der AvH-Präsident über "das latente Klima der Fremdenfeindlichkeit in den neuen Bundesländern." Viele ausländische Wissenschaftler scheuen vor vor den ländlichen Regionen im Osten zurück. Dennoch zieht es immer mehr Stipendiaten in östliche Städte wie Dresden, Leipzig, Potsdam oder Jena. Doch unter der Liga "der begehrtesten deutschen Universitäten sind sie noch nicht vertreten." Frühwald begrüßte die Green-Card-Debatte und die Bemühungen um ein deutsches Einwanderungsgesetz. Er warnte ausdrücklich davor, die Zuwanderung zum Thema des nächsten Bundestagswahlkampfes zu machen: "Das wäre Wasser auf die Mühlen der Rechtsradikalen. In der weltweit schärfer werdenden Konkurrenz um die Spitzenforscher könnte sich das für Deutschland verheerend auswirken."

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