Gesundheit : Ausländische Studenten: Sprachtest in Peking, Studium in Berlin

Hermann Horstkotte

Ausländische Bewerber können jetzt einfacher und schneller ins Studium an deutschen Hochschulen starten. Bislang mussten sie die "Deutsche Sprachprüfung für den Hochschulzugang" (DSH) hierzulande ablegen. Heute morgen finden die Prüfungen erstmals in zwanzig Herkunftsländern statt, nach einem neuen standardisierten "Test Deutsch als Fremdsprache" (TestDaF). In 49 offiziellen Testzentren von Belgien bis Tadschikistan haben sich mehr als 700 Prüflinge angemeldet. Die Klausuren werden zentral in Hagen ausgewertet. Binnen sechs Wochen sollen die Kandidaten ihr Ergebnis schriftlich haben. Ein rein computerbasierter Test (CBT) direkt über den Bildschirm ist in Planung. Für den nächsten Prüfungstermin im November stehen den Kandidaten schon Modellaufgaben im Internet zur Verfügung ( www.testdaf.de ).

Qian Li aus China berichtet vom umständlichen bisherigen Verfahren. Über eine Agentur in ihrer Heimatstadt Tianjing kam die junge Frau vor einem halben Jahr nach Bonn, um sich bei einem privaten Sprachinstitut für die universitären Vorbereitungskurse zur DSH-Prüfung fit zu machen. Wer in die DSH-Kurse will, muss bereits Sprachkenntnisse nachweisen. "Ich möchte in Deutschland studieren, weil ich hier keine Studiengebühren zahlen muss", sagt sie. "Aber der monatelange Deutschland-Aufenthalt nur wegen des Sprachtrainings kostet meine Eltern viel Geld." Der vierstündige TestDaF (im Lesen, Hören, Schreiben und Reden) in Peking kostet hingegen nur eine Prüfungsgebühr von rund 200 Mark.

Der TestDaF ist eine Nachahmung des TOEFL, des Standardtests, den englischsprachige Hochschulen schon seit langem im Ausland anbieten. Er hat sich auf dem globalen Bildungsmarkt als starker Wettbewerbsvorteil für die Anwerbung der besten internationalen Studenten erwiesen. Mit dem neuen Test hofft der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) die Attraktivität des "Hochschulstandorts D" zu erhöhen. Ein Vorteil der Neuerung gegenüber dem bisherigen "bestanden" oder "nicht bestanden": Der neue Test führt zu einer gestuften Bewertung der Sprachkenntnisse (1 - 5). Eine Informatik-Fakultät mag etwa mit dem dritten Grad zufrieden sein, ein juristischer Fachbereich erst mit dem höchsten.

Das Bundesbildungsministerium, das Auswärtige Amt und der Stifterverband für die deutsche Wissenschaft sponsorn TestDaF. Ab kommendem Wintersemester reserviert die Kultusministerkonferenz acht statt bisher fünf Prozent aller Studienplätze in Fächern mit Zulassungsbeschränkung für Ausländer. "110 000 Studierende ohne deutsches Abitur sind an unseren Hochschulen zu wenig", erklärt DAAD-Vize Huber. "Im Wettbewerb um die Ausbildung der leaders of tomorrow können für uns nur die USA Vergleichsmaßstab sein." Dann müssten 50 000 Ausländer mehr zum Studium nach Deutschland kommen.

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