Gesundheit : Ausländischen Studenten fällt der Start in der alten Heimat schwer

Claudia Kurreck

Shirin und Deepak Gadhia kamen in den 80er Jahren aus Indien nach Deutschland. Sie studierten hier mit dem Ziel, ihrem Land mit dem Hochtechnologie-Know-how der westlichen Welt helfen zu können. Shirin schrieb ihre Doktorarbeit im Fach Gentechnologie, Deepak wurde Diplomingenieur. Das schienen gute Voraussetzungen zu sein, um in Indien einer erfolgreichen Zukunft entgegen zu sehen, wie das Ehepaar auf einer Veranstaltung zum Thema "Rückkehr nach Asien oder Afrika" in der Fachhochschule für Technik und Wirtschaft (FHTW) berichtete. Ziel der Veranstaltung war, Wege für Rückkehrer in ihre Heimatländer aufzuzeigen. Denn die Reintegration stellt viele ausländische Absolventen vor einige Probleme. Dies wurde auch an den Erlebnissen von Shirin und Deepak Gadhia deutlich.

Qualifikationen zählten nicht

Nach seiner Rückkehr stellte das Ehepaar fest, dass die Realität in ihrer Heimat nicht ihren Erwartungen entsprach. Sie erhielten schlecht bezahlte Anstellungen, obwohl sie hoch qualifiziert waren. Die Arbeitgeber begründeten dies mit dem Argument, dass Inder in ihrem Land üblicherweise ein geringes Gehalt erhalten. Nur qualifizierte Ausländer bekämen den 10-fachen Lohn. Auch deutsche Firmen, die sich in Indien niedergelassen haben, sahen dies so. Dort bekamen die Gadhias zu hören, dass Inder von Technik grundsätzlich keine Ahnung hätten. Und unerfreulich waren auch Neid und Misstrauen, die Shirin und Deepak von Seiten ihrer Nachbarn entgegenschlug, die zum Teil noch Analphabeten waren. Ein Teufelskreis begann.

Was war zu tun? Viele ausländische Studierende kamen mit der Befürchtung in die FHTW, bei ihrer Rückkehr irgendwann vor ähnlichen Problemen zu stehen. Sie erfuhren dann aber von einer Reihe von Hilfsprogrammen, die Ihnen nach der Rückkehr den Start erleichtern können, wie etwa dem des Deutschen Entwicklungshilfewerkes (DEW). Als Starthilfe erhalten Existenzgründer hier 9000 Mark. Besteht das gegründete Unternehmen noch nach einem Jahr, werden ein zweites Mal 9000 Mark gezahlt.

Auch Shirin und Deepak nutzten diese Hilfe: Sie machten sich nach ihrer Rückkehr mit einer Werkstatt für regenerative Energien selbstständig. "Wir entwickeln Solarkocher für Einzelhaushalte und Großküchen, Solarlampen, Wasserkocher und Pasteurisierungsanlagen für Trinkwasser", erzählt Deepak stolz.

Zusätzlich haben es sich die Gadhias zur Aufgabe gemacht, Rückkehrern Tipps und Starthilfen für den Weg in die Selbstständigkeit zu geben. Daher betreiben sie das Eco Center ICNEER (International Center of Networking Ecology Education and Reintegration) in Indien. "Shirin ist die Präsidentin und ich bin der Sekretär, ganz im Gegensatz zu unseren Traditionen", sagt Deepak und grinst.

Weitere Hilfen für die Rückkehr ausländischer Studienabgänger gibt der Arbeitskreis Afrikanisch-Asiatischer Akademikerinnen und Akademiker (AAAAA). Die Mitglieder des Arbeitskreises schicken regelmäßig Rundbriefe an Interessierte und bieten kostenlose Wochenendseminare an. Auch die Zentralstelle für Arbeitsvermittlung (ZAV) hält ein Programm speziell für ausländische Akademiker bereit. Hier bekommt ein Rückkehrer ein Überbrückungsgeld: Ein Jahr lang werden monatlich 800 Mark gezahlt. Flug- und Transportkosten finanziert die ZAV ebenfalls.

Praktika statt Auslandsstudium

Die Gadhias raten jungen Leuten, die in Indien zu ihnen kommen, nicht unbedingt im Ausland zu studieren. Oft sei ein sechsmonatiges Praktikum in einem Betrieb sinnvoller und nicht so zeitaufwendig. Zusätzlich würden sie vielen Schwierigkeiten entgehen. Umgekehrt nehmen Shirin und Deepak auch gerne Praktikanten in ihrer Solarwerkstatt auf, liegt ihnen doch der internationale Dialog immer noch am Herzen.Wichtige Adressen: AAAAA, Mahatma Gandhi Haus, Theodor-Heuss-Straße 11. 37075 Göttingen, Telefon: 0551-34443, Fax: 0551-377065, E-mail: aasf@gwdg.de

Die FHTW hat für ausländische Studierende, die ihr Land nur kurz verlassen wollen, einen einsemestrigen Informatikkurs in englischer Sprache konzipiert.

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