Gesundheit : Ausstellung in der Humboldt-Uni zeigt die Gefahren nach Abschluss des Waffenstillstandes

Sonja Bonin

Eine Mondlandschaft flimmert auf dem Monitor, im Hintergrund sind Schritte von Soldaten zu hören. Dann kracht plötzlich eine Explosion. Ein digitales Bein fliegt durch die Luft, landet vor den Augen des Betrachters und löst sich Pixel fur Pixel in Nichts auf. Das tragische Schicksal eines Landminenopfers.

Alle zwanzig Minuten wird auf der Welt ein Mensch durch eine Landmine verletzt, informiert uns die Videoinstallation. Ihr schräger Computerkrach begleitet den Besucher durch die Ausstellung im Foyer der Humboldt-Universität, in der die Behindertenorganisation "Handicap International" sich gemeinsam mit 17 Künstlern gegen Landminen einsetzt.

Die Ausstellungsmacher haben sich verschiedenster künstlerischer Stile bedient, um das Thema darzustellen. Die Darstellungsformen reichen vom wunderschönen Licht-Mandala aus Kupfer über Pop-Art-Gemälde bis hin zum "Schwarzbuch" von Manfred Zylla und Antonin Mares. Die große schwarze Mappe ist vollgeschrieben mit zynischen Assoziationen zu Verstümmelungen, die durch Minen verursacht wurden. Dennoch sind es nicht so sehr die Bilder als die knappen, unpathetischen Informationen von Handicap International, die den Besucher schockieren.

Eine Million Minen in Kosovo

Weltweit liegen schätzungsweise 60 Millionen bis 70 Millionen Landminen verstreut, das ist eine Mine für jedes neunte Kind dieser Welt. Die Liste der mehr als 60 minenverseuchten Länder reicht von A wie Afghanistan bis V wie Vietnam. Die jüngsten Neuzugänge kommen aus Europa: Kosovo und Bosnien-Herzegowina. Allein in Bosnien gibt es wahrscheinlich eine Million Landminen - bei einer Einwohnerzahl von dreieinhalb Millionen. In Staaten wie Afghanistan, Angola und Kambodscha liegt die Quote noch viel höher. Die meisten Minenunfälle ereignen sich bei der Feldarbeit und beim Spielen - es trifft Zivilisten und Kinder. 85 Prozent der betroffenen Kinder sterben an ihren Verletzungen.

Im März vergangenen Jahres trat der Vertrag von Ottawa zur allgemeinen Ächtung von Landminen in Kraft. Darin haben sich 123 Staaten verpflichtet, die Produktion, den Export und die Anwendung von Anti-Personen-Minen zu verbieten, ihre eigenen Lagerbestände zu vernichten und ärmere Länder bei Entminungs- und Entschädigungsprogrammen zu unterstützen. Dennoch produzierten im vergangenen Jahr noch immer 16 Länder Minen, die ein darauf tretender Mensch auslösen kann. Die Bundesrepublik hat zwar bereits ihre Bestände an Anti-Personen-Minen vernichtet. Anti-Fahrzeug-Minen, die bei größerem Druck wie etwa dem Gewicht eines Panzers detonieren, werden aber von deutschen Firmen ebenso hergestellt wie Abwurfmechanismen und Sensoren für "intelligente" Minen und Waffen.

Mit der Produktion dieser Waffen lässt sich viel Geld verdienen. Die Produktionskosten einer Landmine sind mit fünf bis 60 Mark äußerst niedrig, die Nachfrage entsprechend groß. Mit einem vergleichsweise geringen finanziellen Aufwand kann eine verheerende Zerstörung beim "Gegner" erreicht werden. Die Getroffenen werden schwer verletzt oder getötet, ganze Gebiete können nicht mehr betreten werden. Doch die Folgen enden nicht mit dem Ende des Krieges. Nach einem Waffenstillstand bleiben Verstümmelte zurück, die nicht arbeiten können und ein Land, dessen Boden nicht nutzbar ist. "Handicap International" widmet sich deshalb der Rehabilitation von Minenopfern und dem weltweiten Kampf gegen den Einsatz von Landminen. Sie ist eine der sechs Gründungsmitglieder der internationalen Kampagne gegen Landminen. Für die Kampagne arbeiten inzwischen mehr als 1000 Nichregierungsorganisationen zusammen. Ihre Arbeit wurde 1997 mit dem Friedensnobelpreis belohnt.Bis 8. Juni ist die Ausstellung im Foyer der Humboldt-Universität zu sehen. Der Katalog kostet 12 Mark, 50 Prozent des Erlöses beim Verkauf eines Kunstwerks gehen an Handicap International. Die Organisation: www.handicap-international.org

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben