Gesundheit : Auswahlgespräche an der Uni: Das Aussehen soll nicht entscheiden

U. S.

Wenn künftig ein Student zwei Professoren gegenübersitzt, dann kann dieses Gespräch darüber entscheiden, ob er an dem Fachbereich einer begehrten Universität zugelassen wird. Seit diesem Wintersemester dürfen 20 Prozent der Studienplätze in Numerus-clausus-Studiengängen über Auswahlgespräche vergeben werden. Aber mit welchem Erfolg? Die Arbeitgeber bezeichneten es gestern vor der Presse als beschämend, dass 83 Prozent der Fachbereiche von der neuen Möglichkeit keinen Gebrauch gemacht haben. Die Arbeitgeber wollen gemeinsam mit der Hochschulrektorenkonferenz einen Vorstoß unternehmen, um die Quote der Studienplätze, die über Auswahlgespräche vergeben werden, im Hochschulrahmengesetz auf 50 Prozent zu erhöhen.

Die zentrale Vergabe von Studienzulassungen durch die ZVS nach Abiturnoten und Wartezeit ist für die Arbeitgeber Planwirtschaft und fördert den Wettbewerb nicht. Bisher sind die Professoren aber in Auswahlgesprächen ungeübt. Auf keinen Fall sollen das gute Aussehen einer Bewerberin oder Beziehungen - der Vater kennt den Professor und will seinen Sohn in dessen Fachgebiet studieren lassen - den Ausschlag geben.

Um die Hochschullehrer so vorzubereiten, dass sie die Auswahlgespräche sachorientiert, objektiv und transparent führen können, hat die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände jetzt eine Broschüre veröffentlicht. Die Kriterien für die Auswahlgespräche entwickelte der erfahrene Psychologe Professor Günter Trost - er hat bereits Aufnahmeverfahren für die private Hochschule für Unternehmensführung in Koblenz und die Hamburger Law School konzipiert. Trost geht davon aus, dass die Belastung für die Professoren durch die Auswahlgespräche zumutbar sei. Wenn in einem Studiengang 100 Studienplätze zu vergeben seien, kämen etwa 60 Bewerber für die Auswahlgespräche in Frage. Bei richtiger Aufteilung entfielen auf jeden Professor etwa zehn Interviewstunden im Semester.

In den Gesprächen können Bewerber und Bewerberinnen darlegen, warum sie in der Oberstufe Fächer als Leistungskurse gewählt und andere abgewählt haben und welche Initiativen sie unternommen haben, um sich außerhalb der Schule auf ihren künftigen Beruf vorzubereiten. Im Mittelpunkt sollten jedoch Persönlichkeitsmerkmale stehen wie sprachlicher Ausdruck, Fantasie, abstraktes Denken und Denken in Zusammenhängen, um eine Problem in seiner Vernetzung zu erkennen.

Das Ganze mündet in einer Prognose, ob der Bewerber den Anforderungen des künftigen Studiums und Berufs genügen könne. Die von den Arbeitgebern erstellte Broschüre enthält Tabellen, auf denen für jeden Gesprächsbestandteil Punkte vergeben werden, aus denen am Ende eine klare Rangfolge ermittelt werden kann.

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