Gesundheit : Automaten-Evolution: Roboter, die sich selbst erschaffen

Thomas de Padova

Es gibt eine gesunde menschliche Skepsis gegenüber Robotern. Sie sind Fachidioten, können entweder Computerchips auf eine Platine setzen oder Abwasserkanäle reinigen. Aber nie beides. Und wenn sie am Werk sind, dann mit unerschütterlicher Sturheit. Denn dafür wurden die von der Industrie gewünschten Maschinen ja entwickelt: reibungslos zu arbeiten.

Inzwischen sind die Automaten jedoch erstaunlich kreativ. Die US-Forscher Hod Lipson und Jordan Pollack stellen heute erstmals ein System vor, das ohne menschliches Zutun das Design von Robotern entwirft, diese optimiert und die Maschinen dann auch noch vollautomatisch baut. Auf diese Weise konstruiert die Maschine viele einfache Laufroboter, die ein Mensch kaum hätte ersinnen können. Mit ihren wenigen Kunststoffstangen und -gelenken krabbeln sie über den Boden oder rudern vorwärts.

Das Herz der Maschine ist eine Art "genetisches" Programm. Es bietet Raum für die Evolution zunächst rein virtueller Wesen. Gestalt und Steuerungsorgan der Roboter entwickeln sich darin gemeinsam aus vorgegebenen Bauteilen. Das Programm bewertet die Tauglichkeit der Roboter danach, wie schnell sie sind.

Gemäß dem errechneten Konstruktionsplan werden die Roboter anschließend ohne Intervention des Menschen gebaut. Sie wachsen Schicht für Schicht aus sich verfestigendem Kunststoff. Dadurch liegen zum Beispiel ihre Gelenkkugeln von vorneherein in den Gelenkpfannen und müssen nicht erst nachträglich eingepasst werden.

Das Experiment kommt einer vom Menschen losgelösten Evolution von Robotern näher. Doch die Laufmaschinen haben keinerlei Sensoren. Sie können daher auch keine Erfahrungen in der realen Welt machen. Ihre Verbesserung ist allein Sache der Computersimulation. Es bleibt also dabei: Die Kerle sind nicht von dieser Welt!

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