Gesundheit : Beachtliche Erfolge bei Krankheitsbehandlung mit genetischen Impfstoffen und Medikamenten

Anne Strodtmann

Im Kampf gegen Katzen-Aids setzen die Forscher mit Goldkügelchen geladene Gen-Kanonen einAnne Strodtmann

Jede Krankheit ist auf irgendeine Weise mit dem genetischen Code des Körpers verknüpft - darauf weisen die neueren wissenschaftlichen Erkenntnisse hin. Im Prinzip müßte es möglich sein, die Krankheiten zu besiegen, wenn man die Informationen in Körperzellen einschleusen könnte, die sie befähigen, den Erreger selbst zu bekämpfen.

Die Berliner Mologen Holding arbeitet an einem genetischen Impfstoff, der Katzen vor FIV, dem katzenspezifischen Immunschwächevirus schützen soll. Die Arbeiten sind bereits so weit fortgeschritten, dass in einem Schweizer Institut klinische Studien begonnen werden konnten. Die bisherigen Erfahrungen sind durchaus positiv. Bei herkömmlichen Impfstoffen werden dem Organismus inaktive Krankheitserreger gespritzt, die ihn dazu anregen sollen Antikörper zu bilden, die als "Reservetruppe" für eine tatsächliche Infektion bereitsteht. Bei einem genetischen Impfstoff werden Informationen über den "Bauplan" des Erregers, etwa des Immunschwächevirus der Katze, in den Kern einzelner Körperzellen eingeschleust. Damit "weiß" dann der Körper, wie er sich erfolgreich gegen den Erreger selbst wehren kann.

Das Verfahren der Eingeschleusung hat sich die erst 1998 gegründete Mologen Holding patentieren lassen: Winzige Goldkügelchen werden mit Genpaketen beladen, die die notwendigen Informationen enthalten. Mit einer Genpistole werden die Kügelchen in die Zellen geschossen - besonders geeignet sind Hautzellen. Einige gelangen dabei auch in die Zellkerne, wo sie ihre Informationspakete abladen. Ein Vorteil einer solchen Impfung ist ihre gute Verträglichkeit.

Neben den Arbeiten an dem Impfstoff gegen die Katzenimmunschwäche laufen derzeit noch verschiedene andere Forschungsprojekte zu genetischen Impfstoffen, aber auch zu gentherapeutischen Medikamenten. Mit dem Universitätsklinikum Benjamin Franklin der Freien Universität wird an einem Verfahren gearbeitet, das die Abstoßung von Hornhauttransplantaten verhindern soll. Mit einer Schweizer Arbeitsgruppe soll ein genetischer Impfstoff gegen die hauptsächlich von Zecken übertragene Borelliose entwickelt werden. Eine Studie zur Gentherapie bei Nierenkrebs steht kurz vor der Veröffentlichung. Eine zweite Studie betrifft die Gentherapie bei Hautkrebs.

Die Mologen Holding ist aus einer Arbeitsgruppe der Freien Universität hervorgegangen. Anfang 1998 gründete der Molekularbiologe Professor Burkhardt Wittig, der sich bei der Gentherapie von Krebserkrankungen bereits einen Namen gemacht hatte, das Unternehmen in Kooperation mit der Universität. Das Startkapital von zwei Millionen Mark hatte Wittig bei einem Hamburger Unternehmer eingeworben, der sich zuvor schon finanziell in der Krebsforschung engagiert hatte. Ein knappes halbes Jahr später, im Juni 1998, ging Mologen an die Börse. Mit dem Aktienverkauf sind 10 Millionen Mark erzielt worden - ein für das junge Unternehmen recht stolzer Betrag.

Den Aktionären wird zunächst Geduld abverlangt. Gegenwärtig sind zwar die Umsätze noch gering, aber von 2001 an ist mit Gewinnen zu rechnen, die aus der Vermarktung der Impfstoffe und patentierten Verfahren erwirtschaftet werden. Für seinen Mut wird Wittig am 13. Oktober von der Arbeitsgemeinschaft selbständiger Unternehmer als "Unternehmer des Jahres 1999" geehrt. Die FU stellte Burkhardt Wittig für die Anfangsphase Labore und Geschäftsräume sowie Mitarbeiter zur Verfügung. Derzeit arbeiten noch 15 FU-Angehörige im Mologen-Team, das ist knapp die Hälfte ihres gesamten Personals. Darüber hinaus konnte das junge Unternehmen auf einem Grundstück der Universität ein eigenes Gebäude errichten, das im Juni dieses Jahres bezugsfertig wurde. Als Gegenleistung für die Unterstützung durch die FU wird dieses Gebäude etwa im Jahre 2004 in das Eigentum der Universität übergehen.

Für die Universität sind derartige Ausgründungen durchaus lukrativ, wie FU-Kanzler Wolf-Dietrich von Fircks erklärt. In Unternehmen, die einen so engen Kontakt mit der Universität haben, kann der wissenschaftliche Nachwuchs viel besser an die neuesten Technologien herangeführt werden. Darüber hinaus sind fruchtbare Rückkopplungen zur universitären Forschung zu erwarten. Die FU hat auf diesem Gebiet bereits Erfahrungen sammeln können. Eine Ausgründung, die RINA-GmbH, die chemische Forschung betreibt, hat ihre Räume bei der Universität gemietet. Die FU kann mit den so erzielten Einnahmen ihre Lehr- und Forschungsmittel aufstocken. Neben den naturwissenschaftlichen Ausgründungen sind auch zwei Unternehmen aus geisteswissenschaftlichen Disziplinen entstanden: die INA-GmbH, die Beratung für soziale Firmen und Gesellschaften anbietet, und eine weitere Beratungsfirma, die auf pädagogischem Gebiet arbeitet.
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