Gesundheit : Bei Bio-Grießkäse lernen

Florian Urschel

ist Erstsemester in Berlin – und Bachelorstudent Jetzt bin ich erst eine Woche an der Uni, aber ich glaube, dass ich in all dem neuartigen Wortgeklingel die beiden häufigsten Zauberwörter des Studentenlebens schon herausgehört habe: Mensa und Vorlesung. Natürlich gibt es noch Semesterwochenstunden oder Handapparate. Aber die Wörter Mensa und Vorlesung habe ich in der letzten Woche so oft gehört wie keine anderen.

Warum ist das so? Ich habe da eine Theorie aufgestellt; seit ich Student bin, weiß ich nämlich, wie das geht. Also: In Mensa und Vorlesung stecken die beiden höchsten Ideale der Studenten. Mensa steht für das Wissen, Vorlesung für die Freiheit. Ja, genau, nicht andersherum. Nicht nur, dass ich in der Mensa wundersame Speisen wie Straußenragout oder Bio-Grießkäse kennen lerne. Um mich herum plaudern junge Leute über die neuesten Übersetzungsfehler in der Bibel, über Polaratome, die an Makroquarks andocken, oder darüber, wie merkwürdig das neue Toupet des Professors aussieht. Die wabernde Mensa ist der eigentliche Ort des Lernens an der Uni. Deshalb reden alle immer davon.

Eine Vorlesung dagegen gibt mir das wohlige Gefühl: Ich bin frei. Im Hörsaal kann ich, fern vom hektischen Treiben da draußen, zur Ruhe kommen und mich entspannen. Der Dozent liest mir dazu eine schöne Geschichte vor. Ich kann Kreuzworträtsel lösen, schlafen oder einfach nur zuhören. Wenn ich will, kann ich sogar eine Kleinigkeit essen. Das ist sehr wichtig, denn in der Mensa kommt man ja vor lauter Lernen nicht dazu.

Florian Urschel (20) machte 2003 Abitur in Berlin und absolvierte dann seinen Zivildienst. Jetzt studiert er Deutsch und Geschichte an der Freien Universität Berlin – auf Lehramt.

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