Gesundheit : Beim zweiten Theatertreffen der Berliner Hochschulen präsentiert sich namhafter Nachwuchs

Nina Peters

Die Bewerbungsfrist ist abgelaufen, die Endprobenphase auch. Am heutigenSonnabend kann es losgehen: vom 29. Januar bis zum 9. Februar lädt das theaterwissenschaftliche Institut der Humboldt-Universität zu "neuropolis" ein, dem zweiten Theatertreffen der Berliner Hochschulen. Wie schon im vergangenen Jahr gastieren im zweiten Hinterhof der Sophienstraße 22 a die unterschiedlichsten Projekte: Experimentelles und selten Gespieltes ("Tabataba", 1. Februar) von der Kunsthochschule Weißensee, Puppentheater und handwerklich hochwertiges Sprechtheater von der Hochschule für Schauspiel (HfS) Ernst Busch. Kabarett und Experimentelles ("Bon Voyage") von der Hochschule der Künste (HdK), Multimediales von der Hochschule für Musik (HfM) Hanns Eisler, Klassisches Sprechtheater, Experimente mit Form oder Sprache (mit der furiosen "Krautflut" von Franzobel) von der Humboldt-Universität. Mit Neuentdeckungen ist zu rechnen. Nicht umsonst hat sich schon eine Delegation aus der Volksbühne angekündigt.

"Wir wollen das verstreute studentische Theater zusammenführen, um ihm ein größeres Publikum zu sichern", erzählt Anna Poeschel vom Bühnenbeirat. Auchsolle der "Austausch zwischen den Teilnehmern gefördert werden" - zur Anregung gemeinsamer Projekte. Der Kommunikation nachhelfen soll das "Festivalcafé im K". Täglich ab 21 Uhr gibt es in der Monbijoustraße 3 Tanz, Lesungen, Film, szenisches Kochen, und am 9. Februar eine Abschlussparty.

"Das Festival soll zeigen, welchen Beitrag die Studenten zum Berliner Kulturleben leisten", so Anna Poeschel weiter. Denn wer da mal schnell in das unbequeme Korsett "Studententheater" gesteckt wird, hat in der Berliner Off-Szene vielleicht schon einen Namen: Regisseur Max Schumacher beispielsweise, der seit Jahren mit Multimedia experimentiert und immer wieder Anleihen an den Film macht, diesmal an "The Blair Witch Project" (9. Februar). Oder Martin Clausen, der kürzlich mit "Nico & the Navigators" erfolgreich in den benachbarten Sophiensaelen gastierte. Auf der Probebühne "verwurstet" er mit seinem Partner Fatih "unterschiedliche Textsorten zu einer assoziativen Kette" - zu sehen bei "Frischfleisch - Kurzstücke" (9. Februar) neben fünf weiteren Projekten: Ein bisschen Musiktheater von Joscha Schaback, ein Häppchen Afrikanisches Theater von Maike Schaafberg. Kurz und verkopft wird Heiner Müllers "Herzstück", kunstvoll-experimentell Astrid Kirchners Performance mit Drahtkokons. Komisch-kabarettistisches verspricht Hagen Damwerth. In der monatlichen "Sophiengala" tritt er inzwischen als Publikumsliebling auf. Weitere Talente werden in "Best of Sophiengala" am 2. Februar präsentiert.

Das Theatertreffen ist für die Teilnehmner schließlich unter einem anderen Aspekt interessant: "Natürlich werden die Publikumsreaktionen in die weitere Probenarbeit fließen", sagt Peggy Langhans über ihre eigenwillige Inszenierung von Sartres "Geschlossene Gesellschaft". Ende Februar wird sie im "Theater unterm Dach" gezeigt. Und auch Joscha Schaback will "noch ein bisschen herumexperimentieren" bevor er sein Charles Mingus-Projekt in der Berliner Off-Szene präsentiert.

Den Auftakt am Sonnabend macht ein Klassiker: Eine wunderbare Seifenoper habe Goethe mit "Stella" geschrieben, behauptet Regisseur Henning Fritsch (HU) und beschert dem Schauspiel eine zeitgenössische Rahmenhandlung. Eröffnet wird das Festival durch den Präsidenten der Humboldt-Universität, Hans Meyer. Seine Schirmherrschaft verstehen die Organisatoren als symbolische Geste für das älteste theaterwissenschaftliche Institut Deutschlands, dem nicht nur einmal die Schließung drohte. StudioBühneMitte, Sophienstraße 22a, 2. Hof; Festivalcafé im K, Monbijoustr. 3.

Kartenreservierung

e-mail: neuropolis@gmx.de , Telefon: 28 38 98 35.

"Stella": 29. Januar, "Gute Reise": 1. Februar

"Sophiengala": 2. Februar, "Szene(n)Studien": 3. Februar, "Krautflut", 4. Februar, jeweils 19.30

"Frischfleisch - Kurzstücke", 5. Februar, 18 Uhr / 20 Uhr

"Geschlossene Gesellschaft", 8. Februar, "The Blair Witch Project", 9. Februar, jeweils 19 Uhr 30. Eintritt 10 Mark, ermäßigt 8 Mark.

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