Gesundheit : Belfaster Nächte

Dagmar Dehmer

Das Vorspiel dauert 306 Seiten. In „Die Schule der Anatomie“ erzählt Bernard MacLaverty von drei Schuljungen in einer katholischen Belfaster Schule Anfang der 60er Jahre. Sie stehen kurz vor ihrer Abschlussprüfung. Martin Brennan muss sie zum zweiten Mal absolvieren. Der schmächtige Martin, der nicht lügen kann, ist seinen Freunden Kavanagh und Blaise Foley an Selbstbewusstsein weit unterlegen. Kavanagh ist sportlich, von Mädchen umschwärmt. Blaise ist an Mädchen weniger interessiert als an Jungs und Philosophie. Im Gegensatz zu seinen Klassenkameraden hält Blaise auch nichts von katholisch-irischem Nationalismus – und wird dafür krankenhausreif geprügelt. Martin nimmt eine Stelle als Laborant im Anatomischen Institut an, wo Kavanagh Medizin studiert. Im interessanteren Teil des Romans hat Martin Nachtschicht im Labor und verliert seine Unschuld. Draußen tobt der Straßenkampf. Explosionen donnern - Belfast während der Unruhen, „die schon ewig dauern“. Wer allerdings hofft, etwas über die Wurzeln der Kämpfe zu erfahren, wird enttäuscht. Selbst Martins Mutter fragt: „Worum geht es eigentlich?“

Bernard MacLaverty: Die Schule der Anatomie. Roman. A. d. Engl. von Hans-Christian Oeser. Amman, Zürich. 458 S., 24,80 €.

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