Gesundheit : Beliebte Grundschule

Je jünger die Schüler, desto zufriedener die Eltern: eine Umfrage

Tilmann Warnecke

Seit Pisa haben sich die Lehrer daran gewöhnt, ständig kritisiert zu werden. Jetzt drohte die nächste Hiobsbotschaft. Das Münchner Institut Infratest Sozialforschung befragte 10 000 Eltern, ob sie mit der Schule ihrer Kinder zufrieden sind. Doch es kam nur halb so schlimm, was durchaus wörtlich zu nehmen ist: Etwas mehr als die Hälfte, nämlich 56 Prozent der Eltern, geben der Schule ihrer Kinder eine Eins oder eine Zwei. Ungeachtet der schlechten Schultests sind sie, wie bereits kurz gemeldet, mit dem Lehrbetrieb zufrieden.

Das bedeutet allerdings auch, dass 44 Prozent der Eltern mit der Schule eher unzufrieden sind. Diese Seite der Medaille versuchten die Projektleiter bei der Präsentation der Ergebnisse in Berlin zu betonen: „Es gibt aus Sicht der Eltern ein hohes Verbesserungspotenzial an deutschen Schulen“, sagte Frauke Thebis, die die Studie für das Sozialforschungsinstitut betreute.

Das gilt vor allem für die Sekundarstufe. Mit steigender Klassenstufe nimmt die Zufriedenheit der Eltern ab. In den ersten beiden Schuljahren vergeben noch 68 Prozent der Mütter und Väter gute und sehr gute Noten, in Klasse 7 sinkt die Zufriedenheit auf 49 Prozent, bis sie im neunten und zehnten Schuljahr den geringsten Wert von 46 Prozent erreicht. „Die Schule schafft es, Eltern unzufriedener zu machen“, sagte Thebis.

Nach der Grundschule hat das Gymnasium die zufriedensten Eltern (58 Prozent), während die Hauptschule (45 Prozent) am schlechtesten abschnitt. Gymnasien seien deswegen aber keine besseren Schulen, sagte Thebis. Denn als die Forscher nach Einzelaspekten fragten, wurden Gymnasien in mehreren Bereichen kritischer als andere Schulen beurteilt. Die Qualität der Lehrer beispielsweise finden Gymnasial-Eltern schlechter als die Eltern von Hauptschülern. An Gymnasien wird zudem häufiger der Ausfall von Unterrichtsstunden beklagt. Thebis vermutet, dass die gute Reputation der Gymnasien vor allem mit deren Status als höchste Schulform im dreigliedrigen Schulsystem zusammenhängt.

Die Bewertung der Schulen hängt der Studie zufolge vor allem von drei Punkten ab. Eltern benoten Schulen gut, wenn sie den Eindruck haben, dass ihr Kind viel lernt und von guten Lehrern unterrichtet wird. Das Schulklima spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Dabei traten für weiterführende Schulen teilweise erschreckende Ergebnisse zutage. Nur 44 Prozent glauben, dass ihr Kind in der 9. und 10. Klasse vor Gewalt und Drogen in der Schule sicher ist. Weniger als ein Drittel denkt, dass Schüler Hilfe bei Problemen finden können. Dagegen kritisieren Eltern zwar Rahmenbedingungen wie zu große Klassen oder die Schulausstattung, geben deshalb aber nicht schlechtere Noten, denn sie lasten solche Missstände der Politik an, so Thebis.

Die Vorsitzende des Bundeselternrates, Renate Hendricks, forderte als Reaktion auf die Ergebnisse, Schulen und Kultusminister müssten die Meinungen der Eltern ernst nehmen. Bisher sei es ein „Sakrileg“, Umfragen zur Elternzufriedenheit durchzuführen. „Die Zusammenarbeit von Eltern und Schulen ist nicht so harmonisch, wie viele Eltern sich das wünschen.“ England sei da schon viel weiter: Dort fordern Rektoren die Eltern auf, sich an die Schulen zu wenden, sobald sie keinen Leistungszuwachs bei ihren Kindern mehr bemerken. Die vorgelegten Ergebnisse zeigen allerdings auch, dass Eltern mit dem zunehmenden Alter ihrer Kinder immer weniger am Schulgeschehen mitwirken. Während in der Grundschule 91 Prozent das Gespräch mit den Lehrern suchen, sind es in der Oberstufe nur noch 43 Prozent.

Auf einige Fragen bleibt die Studie eine Antwort allerdings schuldig. Trotz der bundesweiten Befragung verzichteten die Macher auf eine Auswertung nach einzelnen Bundesländern. Ob bayerische Eltern das schulische Treiben ihrer Kinder mit glücklicheren Augen betrachten als Berliner, bleibt deswegen offen.

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