Gesundheit : Benjamin-Franklin: Die Angst der Politik vor Gesichtsverlust FU

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Auch der Akademische Senat der FU hat nun in einer Resolution deutliche Worte zur im Koalitionsvertrag vorgesehenen Schließung der FU-Medizin gefunden. "Mit Entsetzen" wird der Plan zur Umwandlung des Klinikums Benjamin Franklin in ein Krankenhaus der Regionalversorgung aufgenommen, der als potenzieller Verlust für alle Fachbereiche der heutigen Volluniversität betrachtet wird. Für Mediziner-Dekan Martin Paul ist die Solidarität der Kollegen anderer Fachgebiete, die jetzt deutlich wird, ein "Stimulus zur weiteren Verzahnung".

"In einer Mischung von Ignoranz und Willkür" würden von der Politik massive Nachteile nicht nur für den Wissenschaftsstandort Dahlem, samt Arbeitsplätzen und Drittmitteleinwerbung, sondern auch für die Medizin-Studenten der Hauptstadt in Kauf genommen. FU-Präsident Peter Gaehtgens diagnostiziert bei den Politikern im Hinblick auf die jüngste Geschichte des medizinischen Fachbereichs der FU nicht nur massiven Gedächtnisverlust, sondern auch deutliche Informationsdefizite. "Mein Eindruck ist: Nicht alles, was wir wussten, war auch unseren Gesprächspartnern bekannt."

Bei Gesprächen mit Delegierten am Rande der beiden Parteitage habe sich als Hoffnungsschimmer allerdings gezeigt, dass durchaus nicht alle mit der im Vertrag festgelegten Linie einverstanden seien. "Doch nun ist langer Atem nötig, denn man darf nicht erwarten, dass die Politik kurzfristig auf dem Absatz kehrt macht." Dabei gehe es nicht zuletzt um die Furcht vor Gesichtsverlust. Allerdings könne der neue Senat es sich auch nicht erlauben, die Sachargumente und das Angebot des Wissenschaftsrats zu ergebnisoffener Beratung zurückzuweisen.

Frauen gegen Schließung

Die zentrale Frauenbeauftragte der Freien Universität sieht in dem Entschluss, das Klinikum zu schließen, auch eine frauenpolitische Fehlentscheidung. 70 Prozent der Beschäftigten des Fachbereichs seien Frauen, davon allein 40 Prozent im wissenschaftlichen Personal. Der Anteil der Studentinnen betrage 55 Prozent. Damit liege der Fachbereich Humanmedizin mit seinem Frauenanteil deutlich über dem Bundesdurchschnitt. Auch befinde sich die bundesweit einzige Professur für Frauenforschung innerhalb der Medizin am Klinikum Franklin, und das Modellprojekt "Signal" betreue und berate Opfer häuslicher Gewalt.

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