Gesundheit : Berlin gehen die Lehrer aus

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Angehende Lehrer haben in Berlin in den nächsten acht Jahren an allen Schulformen gute Chancen, einen Arbeitsplatz zu bekommen. Wahrscheinlich wird die Stadt sogar unter einem Lehrermangel leiden. Denn zwar geht die Zahl der Schüler in der Stadt nach Rechnung des Senats bis 2010 um zehn Prozent zurück, so dass Berlin dann 2850 Lehrer weniger als bisher brauchen wird, nämlich nur noch rund 27 329. Aber fast die Hälfte der Lehrer, die jetzt unterrichten, geht in der nächsten Zeit in Pension, nämlich 42 Prozent. Das sagte Schulsenator Klaus Böger an der Humboldt-Universität, die ihn zum „Tag der Lehre“ eingeladen hatte: „Die Prognose des Senats ist relativ sicher" .

An den Gymnasien im Westen der Stadt sind die Kollegien im Durchschnitt 50 Jahre alt, in allen Schultypen zusammen genommen 47,3 Jahre. Das durchschnittliche Alter, in dem die Berliner Lehrer in Pension gehen, liegt bei 57 Jahren. Der Senat will einen Einstellungskorridor schaffen und 850 Stellen jährlich besetzen. Der Vize-Präsident der Humboldt-Universität für Lehre und Studium, Heinz-Elmar Tenorth, befürchtet, dass die Universitäten zu wenig Lehrer ausbilden, um diese Lücke füllen zu können: „Wir müssen bei den Absolventen zulegen", sagte er.

Solche Befürchtungen, Berlin stehe bald ein dramatischer Lehrermangel bevor, hatte die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaften schon Anfang Juni geäußert. Besonders für die Berliner Grundschulen werde der Markt bald leer gefegt sein. Noch vor zehn Jahren hätten 570 Studenten in der Stadt das Fach „Lehrer mit einem Fach" gewählt, im vergangenen Jahr hätten sich nur noch 168 dafür entschieden. Und schon in zwei Jahren würden 520 neue Grundschullehrer in der Stadt gebraucht, während zu diesem Zeitpunkt nur 180 ihr Referendariat beenden würden. Welche Fächer die besten Berufsaussichten mit sich bringen, hat Bögers Verwaltung noch nicht ausgerechnet.

Lehrer werden Bachelor

Um die Ausbildung zu beschleunigen und besser zu machen, will Böger gemeinsam mit den Universitäten das Studium reformieren. Die Kritik an der Ausbildung reicht weit - und erklang schon lange vor den Ergebnissen der Pisa-Studie. Die erziehungs- und sozialwissenschaftlichen Teile des Studiums gelten als praxisfern und inhaltlich beliebig, die fachwissenschaftlichen Kurse richten sich nicht an den Bedürfnissen künftiger Lehrer aus, sondern an den Interessen der Diplom- oder Magisterstudenten - obwohl 30 bis 60 Prozent der Hörer in den Seminaren später in die Schule wollen.

Das „Berliner Modell" wird darin bestehen, dass die angehenden Lehrer vom Wintersemester 2003/2004 an in Bachelor- und Masterstudiengängen studieren. Diese universitären Studienabschlüsse werden von der Berliner Bildungsverwaltung als Äquivalente der Staatsexamina anerkannt, wie in der Modellphase auch in anderen Bundesländern. Die Inhalte werden klarer gegliedert (Modularisierung).

Auf die Erziehungswissenschaften, die Fachdidaktik und die Psychologie sollen mehr Wochenstunden im Studium entfallen. Theorie und Praxis sollen besser verzahnt werden. Die Lehrer sollen gezwungen werden, sich weiterzubilden. Wie die Reform genau umgesetzt wird, ist noch nicht sicher. Demnächst werden die Universitäten darüber diskutieren. Anja Kühne

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