Gesundheit : Berlin spart, die Nachbarn danken

Wenn der Senat beim Hochschulbau kürzt, bleibt anderen Ländern mehr Geld vom Bund

Amory Burchard

„Die Liebe der Finanzminister zur Zukunft der Universitäten ist sehr schwach“, warnt der scheidende Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Klaus Landfried, der zum 1. August von Peter Gaehtgens abgelöst wird, nutzt seine letzten Wochen im Amt, um für die gemeinsame Bund-Länder-Finanzierung von Wissenschaft und Forschung als „nationaler Aufgabe“ zu kämpfen. Gerade den Hochschulbau dürfe man nicht allein den Ländern überlassen, denn „nur die gemeinsame Finanzverantwortung garantiert gleiche Wettbewerbschancen“.

Der Zustand der Bauten sei mit entscheidend im Wettbewerb zwischen den Hochschulen, sagte Landfried gestern in Berlin, als er die Ergebnisse der 200. HRK-Plenarsitzung vom Dienstag bekannt gab. Überall in Deutschland seien jetzt Millioneninvestitionen in marode Unigebäude nötig. Zum Beispiel in Berlin, an der Charité: Dort muss die Sanierung jetzt gestoppt werden – weil der Senat bis 2007 auf „Neubauten“ verzichten und so 170 Millionen Euro sparen will. Das ist der Preis dafür, dass beim Personal nur 75 Millionen Euro gekürzt wurden. Landfried forderte, die Investitionen nur kurz – als einmaligen Konsolidierungsbeitrag – auszusetzen: „Ein Jahr überlebt man.“ Unterdessen könnten sich die anderen Bundesländer beim armen Berlin bedanken. Denn ihnen kämen nun die 85 Millionen Bundeszuschuss zugute, den Berlin im Hochschulbau verliert. Der Hintergrund: Auch aus dem Bauetat des Bundesforschungsministeriums sind 75 Millionen Euro gekürzt.

Eines kann sich Deutschland im Bildungsbereich nicht ersparen: Den sogenannten Bologna-Prozess, den die europäischen Wissenschaftsminister 1999 beschlossen haben, um Studium und Forschung zu vereinheitlichen. Im September treffen sich die Minister zur Folgekonferenz in Berlin – und Deutschland wird dort wenig Gutes zu berichten haben, so Landfried. Die Umstellung der Studiengänge auf vergleichbare Bachelor- und Masterabschlüsse ginge schleppend voran. Auch in der Mobilität von Wissenschaftlern und Studenten in Europa hinke Deutschland hinterher. Nicht-EU-Bürger würden von Ausländerämtern und Unibürokraten behindert.

Zumindest für ausländische Studenten will die HRK jetzt die Startbedingungen transparenter machen. Sie richtet in Berlin eine Servicestelle ein, in der zunächst Bewerbungen in die Region Berlin-Brandenburg geprüft werden. Dabei gehe es auch darum, „die Studierfähigkeit von Studenten aus Ostmitteleuropa und China“ festzustellen, sagte Landfried. In den letzten Jahren kämen immer mehr Bewerber mit gefälschten Uni- und Sprachzeugnissen, die dann im Studium scheiterten.

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