Gesundheit : Berlin steigt auf

Neues Ranking der DFG: Humboldt-Universität und Freie Universität vorn dabei / München siegt

Anja Kühne

Die Universität München ist bei der Einwerbung von Drittmitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bundesweit Spitzenreiterin. Das geht aus dem neuen Förderranking der DFG hervor. Zwischen 2002 und 2004 warben die Münchener fast 131 Millionen Euro an Drittmitteln ein (siehe Tabelle). Auf Platz zwei liegt dieTH Aachen mit 126 Millionen Euro, gefolgt von den Unis Heidelberg und Würzburg. Misst man die Einwerbungen pro Professur, liegt die kleinere Uni Karlsruhe vorn.

Führend unter den Berliner Hochschulen ist die Humboldt-Universität (HU) mit dem bundesweit fünften Platz. Die Freie Universität liegt auf Platz zehn und gehört damit ebenfalls zur Spitzengruppe. In der Tabelle profitiert die HU gegenüber der FU jedoch davon, dass sie im Jahr 2002 noch die Einwerbungen der Charité verbuchen konnte, die gegenüber dem FU-Universitätsklinikum Benjamin Franklin deutlich größer ist. Seit der Fusion der Berliner Hochschulmedizin im Jahr 2003 teilt die DFG in ihrem Ranking beiden Universitäten jeweils die Hälfte der Einwerbungen zu.

Beide Hochschulen verbesserten sich im Vergleich zu den Berichtszeiträumen 1996 bis 1998 und 1999 bis 2001: Die FU, die damals noch mit einem 13. Platz in der zweiten Ranggruppe lag, ist in die Spitzengruppe aufgestiegen. Die HU, die schon damals in der Spitzengruppe auf Platz neun lag, steigerte sich um vier Plätze. Hingegen fiel die TU Berlin zurück: vom 16. auf den 20. und nun auf den 22. Platz in die dritte Ranggruppe.

Bundesweite Aufsteiger sind die Universität Würzburg, Erlangen-Nürnberg und die TH Karlsruhe ebenso wie die Unis in Bremen, Jena und Dresden. „Tendenziell rückläufig“ seien hingegen die Positionen der Universitäten Bielefeld und Saarbrücken, heißt es in dem Ranking.

Die Ergebnisse der Exzellenzinitiative, die in der kommenden Woche bekannt gegeben werden, würden das Förderranking „sinnvoll ergänzen und abrunden“, sagte Margret Wintermantel, die Präsidentin der Hochschulrektorenkonferenz, bei der Präsentation des Rankings am Mittwoch in Berlin. Die Ergebnisse würden manches bestätigen, aber zugleich unterstreichen, in welcher Breite die Universitäten und sonstigen Forschungseinrichtungen „vorzüglich aufgestellt seien“. Das Ranking werde den Hochschulen helfen, „strategische Entscheidungen für ihre zukünftige Entwicklung zu treffen“.

Universitäten, die im DFG-Ranking weit oben stehen, profitieren oft von einer bestimmten fachlichen Ausrichtung. Die Uni München wirbt 60 Prozent ihrer DFG-Drittmittel in den Lebenswissenschaften ein, die Uni Würzburg sogar 80 Prozent. In diesem Bereich vergibt die DFG den größten Teil ihrer Mittel (38 Prozent). Auf die Geistes- und Sozialwissenschaften, die übrigen Naturwissenschaften sowie die Ingenieurwissenschaften entfallen Anteile zwischen 15 und 25 Prozent. Für die Medizin hat die DFG danach zwischen 2002 und 2004 insgesamt 2,6 Milliarden Euro ausgegeben, für Maschinenbau, Verfahrenstechnik und Werkstoffwissenschaften 1,2 Milliarden Euro, für die Sozial und Verhaltenswissenschaften 696 Millionen Euro, für die Geisteswissenschaften 440 Millionen Euro. Durch eine Fokussierung auf bestimmte Forschungsfelder könnten sich aber auch kleinere Universitäten innerhalb der Hochschullandschaft Sichtbarkeit verschaffen, heißt es in dem Ranking. So gehöre Paderborn im Bereich Elektrotechnik, Informatik und Systemtechnik „zu den ganz Großen“, Mannheim in den Sozial- und Verhaltenswissenschaften. Margret Wintermantel sagte, es dürfe bei alledem nicht vergessen werden, dass Ingenieur- und Lebenswissenschaften um ein Mehrfaches höhere Fördermittel einwerben könnten als etwa Einrichtungen der Lehrerbildung.

Elf Prozent der DFG-Bewilligungen entfallen auf außeruniversitäre Einrichtungen. Regional führend ist bei den DFG-Mitteln insgesamt Berlin, das im Bemessungszeitraum 325 Millionen Euro einwarb. Die Region „Aachen – Bonn – Köln“ erhielt 296 Millionen Euro, der Stadt- und Landkreis München 261 Millionen Euro. Die Regionen „Mannheim – Heidelberg – Karlsruhe“ und „Stuttgart – Tübingen – Ulm“ warben über 250 Millionen Euro Drittmittel ein.

In welchen Fachgebieten die Hochschulen besonders stark sind, zeigt das DFG-Ranking ebenfalls. In den Geistes- und Sozialwissenschaften führt die LMU München mit 26,5 Millionen Euro, die zwischen 2002 und 2004 eingeworben wurden, dicht gefolgt von der Freien Universität (25,6 Millionen) und der Uni Tübingen (24,9 Millionen). Unter die ersten zehn kommen aber auch kleinere Hochschulen mit einem starken geistes- und sozialwissenschaftlichen Profil: die Uni Konstanz (18,2 Millionen Euro) und die Uni Bielefeld (16,3 Millionen Euro).

In den Lebenswissenschaften führt die Universität Würzburg (81,6 Millionen), gefolgt von der LMU München (77,7 Millionen Euro) und der Universität Heidelberg (59,8 Millionen Euro). Die HU und die FU gehören ebenfalls zur Spitzengruppe (54,1 und 39,9 Millionen Euro). In den Naturwissenschaften ist bundesweit die TH Karlsruhe führend (40,8 Millionen Euro), gefolgt von der Freien Universität und Heidelberg (beide 27,8 Millionen). Ebenfalls in der Spitzengruppe liegt hier die TU Berlin (23,9 Millionen Euro). Die HU befindet sich mit 13,3 Millionen Euro in der zweiten Ranggruppe. Bei den Ingenieurwissenschaften liegt Aachen vorn (88,3 Millionen Euro), gefolgt von Karlsruhe und Stuttgart (je 52,8 Millionen). Die TU Berlin liegt in der zweiten Ranggruppe (29,3 Millionen).

Um den Vergleich der Fachgebiete noch genauer zu machen, zieht die DFG sechs weitere Leistungsindikatoren heran. So wird die Zahl der Professoren, die Gutachter für die DFG sind, als Kennzahl für wissenschaftliche Expertise herangezogen. Als Hinweis für die internationale Attraktivität fließen die Zahlen der Gastforscher im Humboldt-Programm und des DAAD ein. Um zu zeigen, wie gut ein Gebiet an einer Hochschule mit anderen Einrichtungen vernetzt ist, wird gezählt, wie häufig es an kooperativen Forschungsprogrammen der DFG beteiligt ist. Meist zeigen sich drittmittelstarke Unis auch bei diesen Indikatoren erfolgreich – das gilt zumal bei den Geisteswissenschaften. So belegen die Freie Universität, Tübingen und die Humboldt-Universität hier in allen zum Vergleich herangezogenen sieben Indikatoren einen Platz in der Spitzengruppe.

Das Ranking im Internet:

www.dfg.de

0 Kommentare

Neuester Kommentar