Gesundheit : Berlin und Brandenburg erschließen Bibliotheken

Uwe Schlicht

Wer über einen heimischen PC mit Internetanschluss verfügt, kann jetzt von zu Hause aus in den Bibliotheken von Berlin und Brandenburg nach den gewünschten Büchern oder Zeitschriften suchen. Er spart sich den Gang zur jeweiligen Universitätsbibliothek und dort die mühsame Suche in Zettelkatalogen oder Microfiches. Wenn er die entsprechenden Befehle eingibt, erscheint auf seinem Bildschirm eine Maske des Kooperativen Bibliotheksverbundes Berlin-Brandenburg (KOBV). Der Nutzer, das kann jeder normale Bürger sein, bekommt zunächst verschiedene Suchmöglichkeiten. Dazu gehören der Titel des Buchs, der Autor des Buchs oder Aufsatzes, ein Stichwort für das gesuchte Thema und die Angabe der entsprechenden Institution.

Gibt sich der Nutzer mit einer schnellen Suche, der so genannten quick-search, zufrieden, dann wird die Suchmaschine zunächst in den Bibliotheken der drei großen Berliner Universitäten suchen. Benötigt der Nutzer darüber hinausgehende Zugriffsmöglichkeiten, kann er auf die Bestände in den Brandenburger Bibliotheken und Hochschulen zugreifen. Vom Frühjahr 2000 an auch auf die Bestände der Staatsbibliothek, die bis dahin ihren lokalen Opac (so heißt das elektronische Katalogsystem) in Betrieb nehmen wird.

Im weiteren Vollzug der Recherche erscheinen auf dem Bildschirm jeweils neue Masken, die die Suche eingrenzen. Wer zum Beispiel unter dem Stichwort Universitätsbibliothek über 600 Einzelnachweise erhält, kann durch immer präzisere Stichworte die Suche auf wenige Titel konzentrieren. Auf diese Weise können vom häuslichen PC aus Bücher zur Ausleihe bestellt werden. Wenn sie gerade vergriffen sind, dann kann der Student angeben, zu welchem letztmöglichen Termin er das Werk für seine Seminararbeit benötigt.

Gestern ist der Kooperative Bibliotheksverbund Berlin-Brandenburg mit einer Demonstration in der Technischen Universität in Gegenwart des neuen Wissenschaftsministers aus Brandenburg, Wolfgang Hackel, und des Staatssekretärs in der Berliner Wissenschaftsverwaltung, Lutz von Pufendorf, eröffnet worden. Für die Nutzer beginnt der eigentliche Start erst am 11. November. 1000 Bibliotheken mit 40 Millionen Bänden befinden sich in der Region. Der Bibliotheksverbund ist dem Rückschritt in den Berliner Bibliotheken zu verdanken, die noch 1997 in der Umstellung auf Computer und Vernetzung weit hinter westdeutschen und internationalen Entwicklungen lagen. Der damalige Staatssekretär Erich Thies ergriff die Initiative zur Gründung des Bibliotheksverbundes, und den Beteiligten war nach kurzer Zeit klar, dass es nicht darum gehen konnte, für alle Bibliotheken in der Region nun eine einheitliche Hardware und Software zu installieren. Man nahm, was vorhanden war und entwickelte Schnittstellen und eine Suchmaschine durch das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik. Damit ist Berlin-Brandenburg plötzlich an die Spitze der Entwicklung in Deutschland gekommen, weil mit diesem System nicht nur regionale Verbünde zu organisieren sind, sondern ein Zugriff über ganz Deutschland möglich wird. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Zunächst ist mit der Suchmaschine der Zugriff auf Nationalbibliotheken in Großbritannien und Frankreich und die Library of Congress in den USA möglich.

Nach Darstellung des Projektentwicklers aus dem Zuse-Zentrum, Professor Martin Grötschel, ist mit der Suchmaschine erst der Anfang getan. Weitere Entwicklungen müßten folgen - zum Beispiel eine Bestellung und ein Herunterladen von Videos und Musikdarbietungen auf den heimischen Computer. Dieser Service ist für die Kunsthochschulen in der Region wichtig. Als nächster Schritt müssten die alten Zettelkataloge in den Bibliotheken vollständig digitalisiert werden. Und am Ende sollten bestimmte Nutzerprofile der wichtigen Kunden soweit aufbereitet sein, dass die Bibliotheken diesen Kunden über die Neuerscheinungen per Computer aktuell informieren.

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