Gesundheit : Berliner Hochschulen: "Verträge nicht wieder aufschnüren"

Bärbel Schubert

"Ich appelliere an das Abgeordnetenhaus und die neue politische Führung in Berlin, die Hochschulverträge nun so schnell wie möglich zu verabschieden!" - Bei diesem Appell hat der Präsident der Humboldt-Universität, Jürgen Mlynek, die große Mehrheit seines Senats hinter sich. Trotz "Bauchgrimmens" bei den konkreten Summen und Bedingungen zur Finanzierung der Berliner Hochschulen in den Jahren 2003 bis 2005 hätten die Universitätspräsidenten sich zur Unterschrift entschlossen; denn: "Wir brauchen möglichst umgehend Planungssicherheit, um die Berufungen ab 2003 vorzubereiten". Der Akademische Senat stimmte den Verträgen mit großer Mehrheit zu.

Groß sind die Sorgen an den Universitäten, der neue Senat könne die über Monate ausgehandelten Verträge wieder "aufschnüren". Denn der neue Regierende Bürgermeister, Klaus Wowereit (SPD), hatte wiederholt angekündigt, dass er 150 Millionen Mark bei der Hochschulmedizin einsparen möchte. "Das ist schon lange durchverhandelt. Wir haben viele Kröten geschluckt. Weitere Einsparungen sind einfach nicht mehr möglich", sagte Mlynek. Zu den Sorgen trägt auch bei, dass die neue Senatorin für Kultur und Wissenschaft, Adrienne Göhler, sich bisher fast ausschließlich zu Kulturfragen geäußert hat. Mlynek: "Wann begreift diese Stadt, dass die Wissenschaft ein wichtiger Wirtschaftsfaktor ist?"

Die Hochschule will in die Offensive gehen: Nachwuchsförderung und die Verbesserung der Lehre stehen im Mittelpunkt der Aktivitäten. Dazu wurde ein Evaluierungsbericht verabschiedet. Juniorprofessuren werden mit einstimmiger Unterstützung des Senats eingerichtet. Die schon erfolgreiche Drittmittelbilanz soll besser und das Fundraising ausgeweitet werden.

Für die wichtigste Zukunftsfrage der Berliner Hochschulen, die Neubesetzung der Professorenstellen im Zuge des Generationenwechsels in den nächsten Jahren, sehen die Verträge 150 Millionen Mark auf drei Jahre vor, 120 Millionen Mark weniger als die Hochschulen für erforderlich halten. Für die Humboldt-Universität sind dies 15 Millionen Mark pro Jahr.

Auf Unverständnis stoßen dagegen die geplanten Einsparungen bei der Medizin, die größtenteils die Humboldt-Universität mit der Charité aufbringen muss. Die Charité und das Klinikum Benjamin Franklin sollen gemeinsam 20 Millionen Mark im Jahr 2003 und je zehn Millionen Mark in den Jahren 2004 und 2005 sparen. Davon entfallen 80 Prozent auf die Charité und werden nach den Worten ihres Dekans Joachim Dudenhausen hauptsächlich zu Lasten der Forschung gehen. Dudenhausen verwies darauf, dass durch die erfolgreiche Drittmitteleinwerbung der Charité in den letzten zwei Jahren rund 2000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden. Auch Mlynek lehnte die Kürzungen im wirtschaftlichen Boombereich Biomedizin ab: "Das National Institute of Health der USA verzeichnet mehrere Jahre hintereinander Zuwachsraten zwischen zehn und zwanzig Prozent. Und in so einem Bereich wird bei uns gekürzt!"

Abgelehnt wird auch die geplante Mittelumschichtung zu Gunsten der Fachhochschulen, um den Rückstand Berlins bei den Studienplätzen an Fachhochschulen aufzuholen. Dafür sollen die Universitäten jährlich fünf Millionen Mark in einen Strukturfonds einzahlen, ursprünglich vorgesehen waren 3,2 Millionen Mark. Auf Kritik stößt nun, dass die Universitäten sich nicht auch mit neuen berufsbezogenen Bachelorstudiengängen um diese Mittel bewerben können.

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