Gesundheit : Berliner Krankenhäuser: Ist die Forschung in Buch gefährdet?

Adelheid Müller-Lissner

Der Neubau des Klinikums Buch, in dem rund 1000 Betten Platz finden sollen, wird ins Auge stechen. Doch das ist nicht vor dem Jahr 2006 zu erwarten. Die Umstruktuierungen, die davor anstehen, sind weniger augenfällig, aber trotzdem keineswegs ohne.

Zwei Kliniken, die bisher ganz zur Charité gehörten, die auf Krebserkrankungen spezialisierte Robert-Rössle-Klinik und die Franz-Volhard-Klinik, in der man sich mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen beschäftigt, und ein städtisches Krankenhaus, das Klinikum Buch, sollen bald unter einem neuen Dach zusammengefasst werden. Träger ist eine Aktiengesellschaft, die Rhön-Klinikum AG. Trotzdem bleiben Robert-Rössle- und Franz-Volhard-Klinik, was die Forschung betrifft, weiter mit der Charité verbunden.

Bis auf eine Ausnahme in Leipzig, wo ein Teil der Uni-Kliniken privatisiert wurde, ist ein solches Modell bisher noch nicht ausprobiert worden. Damit stellten sich neue, bisher in Deutschland ungewohnte Fragen: Wie soll die Verbindung zwischen Krankenversorgung und Forschung, die beide zu den angestammten Aufgaben einer Universitätsklinik gehören, in Zukunft geregelt werden? Und: Wer ist eigentlich der Arbeitgeber der forschenden Mediziner, die Charité oder der private Krankenhausträger? Oder gar beide?

Inzwischen zeigen sich Ansätze zu einer Lösung. Den Mitarbeitern wurde am Dienstag erstmals der Entwurf eines Personalüberleitungsvertrags vorgestellt. Er sieht vor, dass alle Mitarbeiter, die überwiegend in der Krankenversorgung arbeiten, zum neuen Träger wechseln. Wer vor allem in der Forschung tätig ist, behält dagegen den alten Arbeitgeber Charité. Auch die Verwaltung des Bereichs Forschung wird in den Händen der Charité bleiben. Die Zusammenarbeit regelt ein Kooperationsvertrag. Verwaltungsleiter Klaus Armbrust äußerte sich gegenüber dem Tagesspiegel in dieser Hinsicht zuversichtlich. "Dieser Vertrag sichert, dass die Forschung vom neuen Träger gefördert wird", sagte Armbrust.

Das wird seit einiger Zeit besonders nachdrücklich von einem weiteren Bucher Nachbarn gefordert, dem Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), das zu der Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren gehört. Die Grundlagenforscher dort arbeiten eng mit den Klinikern des Bucher Charité-Campus zusammen. Sie benutzen die gleichen Labors und tauschen zeitweise ihre Arbeitsplätze. Und sie machten immer wieder darauf aufmerksam, dass ein europaweit fast einzigartiges, auch vom Wissenschaftsrat ausdrücklich gewolltes Modell in Gefahr sei. Und das nicht nur durch die drastischen Bettenreduktionen, die helfen sollten, das AOK-Finanzloch zu stopfen, sondern auch dadurch, dass der universitäre Status der beiden Bucher Spezialkliniken in Frage gestellt werde.

Man fürchtet, dass renommierte Forscher weggehen oder sich in Zukunft nicht mehr in Buch bewerben könnten. "Dann besteht die Gefahr, dass gute Projekte nicht nach Buch kommen, weil keine Mediziner da sind, die sie beantragen können", sagt Marion Bimmler, Personalratsvorsitzende des Delbrück-Centrums.

Die Gefahr ist noch nicht gebannt, denn noch steht die Zustimmung des Senats zu den Verträgen aus. Bisher ist der Trägerwechsel für den 1. Juli geplant. Immerhin: Was nun am Horizont über Buch erscheint, ist für Manfred Dietel, den Ärztlichen Direktor der Charité, "aus der Sicht von Forschung und Lehre ein befriedigendes Ergebnis". Dietel hebt zudem lobend hervor, dass die Charité vom Senat bisher stets in die Verhandlungen einbezogen worden sei.

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