Gesundheit : Berliner Medizin-Werke

Die BMW-Großaktionärin Johanna Quandt gründet eine Stiftung an der Uniklinik Charité

Hartmut Wewetzer

Gemeinsam mit der Unternehmerin Johanna Quandt hat das Berliner Universitätsklinikum Charité eine Stiftung ins Leben gerufen. Die im Dezember 2005 gegründete „Stiftung Charité“ soll vor allem das unternehmerische Denken an der Klinik fördern, aber auch wissenschaftliche Vorhaben unterstützen. „Ziel der Stiftung ist es, die Umwandlung der Charité aus der traditionellen Doppelstruktur von Fakultät und Klinikum in eine moderne, auch am Markt erfolgreich mit unternehmerischen Freiheiten agierende Charité zu unterstützen“, sagte Detlev Ganten, Charité-Chef und Vorsitzender des Stiftungsrats, am Donnerstag bei der Vorstellung der Stiftung.

Die 1929 geborene Johanna Quandt ist BMW-Großaktionärin und eine der reichsten Frauen Deutschlands. Zum Stiftungsvermögen von sechs Millionen Euro hat sie fünf Millionen beigetragen. „Ich bin gebürtige Berlinerin“, sagte Johanna Quandt. „Die Stadt liegt mir am Herzen.“ Die Stiftung sei ein „Signal der Anerkennung und der Bestärkung“ für die Mitarbeiter der Charité. Die Klinik habe nicht nur „enormes Potenzial in Wissenschaft und Forschung“, sondern verfüge auch über eine „300 Jahre alte, großartige und starke Marke.“

Zur Charité hat die Bad Homburger Unternehmerin auch eine persönliche Beziehung. Ihr Großvater Max Rubner folgte Robert Koch als Professor und leitete das Hygiene-Institut der Uniklinik. „Ich denke, von Max Rubner habe ich auch mein Interesse für die Medizin geerbt“, sagte Quandt. „Max Rubner führte die Charité in eine neue Zeit“, knüpfte Klinikchef Ganten an. Denn vor etwa 100 Jahren gab es rund um die Klinik Proteste wegen des schlechten Zustands der Krankenhausgebäude.

Der Charité-Boykott hatte Erfolg, die Klinik wurde neu gestaltet und zu einem Zentrum der Medizin. „Damals ging es der Charité wesentlich schlechter als jetzt“, tröstete sich Ganten angesichts der auch gegenwärtig von Protesten und Einsparungen gebeutelten Klinik.

Das Verknüpfen von Wissenschaft und Wirtschaft soll nun die „Marke“ Charité nach vorn bringen. Geplant ist die Bildung „unternehmerischer Zellen“. Nach Gantens Worten „kleine, flexible Einheiten, mit denen wir Neues ausprobieren können“. Erstes „Kind“ der Stiftung ist die gemeinsam mit der Schering AG gegründete „Charité Research Organisation“. Sie soll klinische Studien, zum Beispiel Medikamententests, für die Klinik einwerben. Außerdem wird eine Zusammenarbeit mit der kalifornischen Stanford-Universität erwogen.

Auch wenn die Stiftung Unternehmertum an der Klinik fördern wolle, so sei man doch gegen die „Ökonomisierung der Charité“, sagte Ganten. Und die Politik? Der Regierende Bürgermeister sei sehr angetan, berichtete Ganten.

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