Gesundheit : Berliner Modestudentinnen an Thüringer Maschinen

Susanna Nieder

"Es ist gar nicht so einfach, einen ganzen Stab von Mitarbeitern zu dirigieren", sagt Rolf Rautenberg, Professor für Mode an der Kunsthochschule Berlin Weißensee. Mit der Textilindustrie kommen seine Studierenden normalerweise wenig in Berührung - an der Hochschule wird vor allem der künstlerische Ausdruck gefördert, Praktika sind freiwillig. Umso größer war der Lerneffekt für die fünf Studentinnen, die im April am Stricksymposium in Apolda teilnahmen. Strick ist das Thema für das gesamte vierte Studienjahr, die Teilnahme am Symposium schlägt Rautenberg Studierenden vor, die er für besonders geeignet hält.

Zwölf Firmen in der thüringischen Region, in der traditionell Strickware hergestellt wird, stellen seit vier Jahren alljährlich für eine Woche Maschinen und Arbeitskräfte für studentische Projekte zur Verfügung. In diesem April war die Kunsthochschule Weißensee zum zweiten Mal dabei. Neben Rautenbergs fünf Studentinnen nahmen weitere acht von der Fachhochschule für Design in Trier teil. Die Strickmeister, Näherinnen und Zuschneiderinnen der Firmen brachten ihr Know-how aus dem technischen Bereich ein, die Studentinnen ihre Ideen. Mit der Vorbereitung waren die Semesterferien voll ausgebucht. Dafür musste auch keine der Weißenseer Teilnehmerinnen umdisponieren, als es an die Umsetzung ging.

"Ich fand es richtig klasse", sagt Katja Haubach. Zusammen mit ihrer Kommilitonin Britta Winkler erarbeitete sie eine Kollektion zum Thema "Konstruktion und Progression". Ausgehend von der Architektur wollten sie geometrische Räume dem menschlichen Körper organisch anpassen. Das feine Garn in Grau- und Blautönen wurde zu reliefartigen Rippen und Faltungen verstrickt, als Verschlüsse und Akzent halten silberne Clips die Outfits zusammen. Immer habe es nicht so geklappt, wie die beiden sich das vorstellten, auch wenn der Strickmeister Extrastunden einlegte. Bei einem Modell zieht das Gewicht des Materials die Falten auseinander, so dass die angestrebte Oberflächenstruktur verloren geht. Bei den anderen Stücken haben sie aber genau den gewünschten Effekt erreicht, und über den Arbeitsprozess ist Katja Haubach sehr zufrieden: "Selbst zu bestimmen, was gemacht werden soll, und nach einem zwölf- oder 14-stündigen Tag zu wissen, was man geschafft hat, war eine gute Erfahrung."

Das Thema "Planten und Bloomen" wurde von Simone Pätzold und Gesine Gammert für jeweils eigene Kollektionen gewählt. "Bei mir hat es gegen Mitte des Symposiums richtig klick gemacht", sagt Simone Pätzold. In der Woche in Apolda habe sie definitiv ein besseres Gefühl für industrielle Verarbeitung bekommen. Die Fünfte im Bunde, Antonia Goy, entwickelte zum Thema "Licht und Schatten" eine Kollektion, die ganz auf der asymmetrischen Zusammensetzung von Rechtecken basiert. Sie hatte jedes Stück schon in der Kunsthochschule gestrickt, um sicherzugehen, dass ihre Idee auch funktionieren würde.

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