Gesundheit : Berliner Tropenmediziner Binzle warnt vor unangebrachter Hysterie (Interview)

In Wiesbaden ist ein Nigerianer an Lassa-Fieber ge

Ulrich Binzle (60) leitet als Direktor das Intitut für Tropenmedizin in Berlin.

In Wiesbaden ist ein Nigerianer an Lassa-Fieber gestorben. Wie groß ist die Gefahr, dass sich das Lassa-Fieber durch eingereiste Erkrankte in Deutschland ausbreitet?

Dieses Risiko ist relativ gering. Wir haben ja bei den ganzen Fällen in Deutschland, in England und den USA praktisch keine Verbreitung registriert. Die Verhältnisse in den Krankenhäusern sind so, dass man sich nicht so exponiert. Es gibt die Möglichkeit, sich über das Blut oder andere Exkrete wie Speichel anzustecken. Diskutiert wird auch eine eventuelle Ansteckungsmöglichkeit über feinste Tröpfchen in der Luft, wenn man angehustet wird.

Das heißt, ein einzelner Erkrankter kann hier keine Epidemie auslösen?

Definitiv nicht.

Der in Wiesbaden gestorbene Mann ist mit ungeklärten Symptomen aus Nigeria krank nach Deutschland eingeflogen worden. Auch dort wurde das Lassa-Fieber zuerst nicht erkannt. Ist so ein Vorgehen überhaupt zu verantworten?

Wenn man die Sache so sieht, könnte man eigentlich keinen internistisch Erkrankten mehr nach Deutschland einfliegen, weil die Anzeichen von Lassa-Fieber zumindest am Anfang eher uncharakteristisch sind. Das kann auch eine schwere Grippe-Erkrankung oder Typhus oder alles mögliche sein. Lassa-Fieber wird erst charakteristisch, wenn die Blutungen dazukommen und Schwellungen im Gesicht und Nacken. Deshalb würde ich auch nicht sagen, dass man den Betreffenden einen Vorwurf machen kann.

Wie groß ist das Ansteckungsrisiko für deutsche Urlauber in Afrika?

Das ist ganz unterschiedlich und abhängig vom Reiseziel. Lassa ist in Westafrika verbreitet, da gibt es Regionen, wo zwischen 60 und 80 Prozent der Bevölkerung eine Lassa-Infektion durchgemacht haben. An der Küstenregion, wo die Urlauber in Senegal, Gambia und Elfenbeinküste sich meist aufhalten, ist Lassa aber selten. Wenn man allerdings mit dem Rucksack unterwegs ist und in sehr einfachen Unterkünften absteigt, dann steigert sich das Risiko entsprechend. Das Gespräch führte Doris Heimann.

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