Gesundheit : Berliner Unis: Nicht zu arm für die Elite

TU-Präsident: „Wir sind konkurrenzwürdig“

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Die Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Swen Schulz zugunsten der Berliner Universitäten im Elitewettbewerb wird von Unipräsidenten begrüßt. Schulz hat die Bundesregierung wie berichtet aufgefordert, „klarzustellen, dass Anträge von Hochschulen ausschließlich nach ihrer Qualität beurteilt werden“. Der Abgeordnete befürchtet, Anträge aus Berlin könnten systematisch benachteiligt werden, weil die Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat hier finanziell „besondere Risiken“ zu erkennen glaubt.

Es sei gut, dass Schulz dies hinterfrage, sagte Kurt Kutzler, Präsident der Technischen Universität, gestern dem Tagesspiegel. Dass die DFG Fördermittel lieber dorthin vergebe, wo das Bundesland zusätzliches Geld für die Projekte verspreche, sei eine „längst bekannte Tatsache“. Die Berliner Unis hätten damit in der Vergangenheit bereits bei wichtigen Anträgen für andere Programme Schwierigkeiten gehabt – vor allem, wenn sie mit süddeutschen Unis konkurrierten. Die süddeutschen Länder würden für Vorhaben ihrer Hochschulen oft Summen zur Verfügung stellen, die über den in den Ausschreibungen vorgesehenen Landesanteil hinausgingen. Er erwarte aber, dass es bei der Exzellenzinitiative „um die besten Köpfe und Konzepte geht“. Das Land Berlin habe den verlangten 25-prozentigen Zuschuss für die Eliteprojekte zugesagt. „Die Berliner Unis sind also genauso konkurrenzwürdig wie alle anderen auch“, sagte Kutzler.

Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Universität zweifelt nicht daran, „dass Wissenschaftssenator Zöllner und Finanzsenator Sarrazin alles in ihrer Macht Stehende tun werden, um die von ihnen gegebenen finanziellen Zusagen auch glaubwürdig zu machen und umzusetzen“. Es sei aber selbstverständlich, dass sich Berlin in dieser Frage dem Vergleich etwa mit Bayern stellen müsse. „An der Messlatte Bayern, einem Land mit einer vorbildlichen eigenständigen Eliteförderung für die Hochschulen, könnten sich andere Bundesländer orientieren, und niemand wird bestreiten, dass diese Messlatte auch bei ihnen angelegt wird“, sagte Markschies.

Der Präsident der Freien Universität, Dieter Lenzen, sieht die Budgethoheit der Berliner Hochschulen als „komfortable Grundlage für die langfristige Finanzierung neuer Strukturen“, die im Elitewettbewerb entstehen. Diese spezielle Berliner Situation müsse offenbar noch verdeutlicht werden, sagte Lenzen.

Was kann Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner für die Unis tun – über die Finanzierungszusage des Landes hinaus? Der Senator hatte angekündigt, er wolle sich bei Wissenschaftsrat und DFG über den finanziellen Vorbehalt gegen Berliner Unis beschweren. Zöllners Sprecher Kenneth Frisse erklärte auf Anfrage: „Berlin kann sich sicher sein, dass sich Senator Zöllner mit all seinen Möglichkeiten dafür einsetzt, dass der Wissenschaftsstandort Berlin mit seinen hervorragenden Einrichtungen zur Geltung kommt bei der Entscheidung der DFG und des Wissenschaftsrates zum Elitewettbewerb.“ Die Vorentscheidung zur zweiten Runde des Wettbewerbs fällt am Freitag. -ry/tiw

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